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Verdis Messa da Requiem in St. Johannis

Wiedergabe der Emotionen Verdis Messa da Requiem in St. Johannis

Um den Totensonntag herum ist in den Kirchen Requiem-Zeit: die Totenmesse, die seit Scarlatti zum Grundrepertoire der Kirchenmusik gehört. Jetzt hat die Göttinger Stadtkantorei die Messa da Requiem von Verdi in der Johanniskirche aufgeführt – in einer Fassung mit Tanz.

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Großes Aufgebot: Tänzerinnen, GSO-Musiker und die Stadtkantorei.

Quelle: Heller

Göttingen. Dass sich Kirchenmusik und Ballett vertragen, ist spätestens seit John Neumeiers getanzter Matthäuspassion (1980) geläufig. Für das Verdi-Requiem hatte Ulrike Grell, Leiterin des Tanzzentrums Göttingen, eine Choreographie mit eigenen Elevinnen und Göttinger Schülerinnen erarbeitet, zusammen 15 Akteurinnen. Für sie war im vorderen Teil des Kirchenschiffs ein Podest aufgebaut, die Choristen und das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) waren im Chorraum untergebracht.

 
Grells Choreographie war auf die Fähigkeiten der jungen Tänzerinnen zugeschnitten. Es ging dabei in erster Linie um eine angemessene körpersprachliche Wiedergabe der Emotionen, die Verdis Musik auslöst. Das ist Grell auf weite Strecken eindrucksvoll gelungen, die Tänzerinnen waren abwechslungsreich in verschiedenen großen Formationen gruppiert, zeigten fließende Bewegungen. Ihr Gefühlsvokabular reichte von tiefster Trauer über Verzweiflung bis hin zu gequälten Zuckungen, aber auch zu liebevoller Zuwendung. Unterstützt wurde der tänzerische Ausdruck durch eine durchdachte farbige Beleuchtung.

 
Doch vor allem dann, wenn allzu viel Tanzaktion von der Musik ablenkte, stimmte die Mischung aus Tanz und Musik nicht ganz. Und man sollte auch nicht unmittelbar vor Vokalsolisten tanzen. Möglicherweise hätten einige eher statisch-ruhige Tanzpassagen die Spannung erhöht, denn nicht jeder Takt der Partitur muss in Bewegung umgesetzt werden.

 
Den leidenschaftlichen Charakter der Musik Verdis arbeitete Dirigent Bernd Eberhard mit seinem stimmstarken, gründlich vorbereiteten Chor mitreißend heraus. Mit gleicher Leidenschaft widmeten sich die Instrumentalisten des GSO ihrem Part und blieben auch in den feurigen Tempi, die ihnen Eberhardt abverlangte, stets präzise. Im Solistenensemble bot die Sopranistin Christine Wolff eine schöne, aber nicht ganz gleichmäßige Leistung, hier und da war ihre Intonation nicht ganz lupenrein. Großes dramatisches Potenzial bewies die Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf mit ihrer großen, nur selten ein wenig scharf timbrierten Stimme. Johannes An besitzt mit seinem hell strahlenden, voluminösen Tenor die perfekte Stimmfarbe für diese Verdi-Partie. Mit seinem warmen, in den tiefen Lagen besonders runden Bass komplettierte Jürgen Orelly das Solistenquartett. Am Ende wollte der Beifall in der voll besetzten Kirche kaum enden.

Von Michael Schäfer

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