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Videokünstler aus Hannover auf Berlinale

Interview Videokünstler aus Hannover auf Berlinale

Der hannoversche Videokünstler Christoph Girardet ist mit seinem Experimentalfilm „personne“ auf der Berlinale vetreten. Ronald Meyer-Arlt hat mit ihm über sein neues Werk gesprochen.

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Christoph Girardet

Quelle: dpa

Herzlichen Glückwunsch: Der Experimentalfilm „personne“, den Sie zusammen mit Matthias Müller erarbeitet haben, läuft im Kurzfilmprogramm der Berlinale. Ist es eigentlich ungewöhnlich, dass der Film auf einem Filmfestival läuft?

Nein, das ist es nicht, unsere Arbeiten laufen ja viel auf Filmfestivals. Aber eine Berlinale-Teilnahme freut uns natürlich.

Aber Ihre Arbeiten passen auch sehr gut ins Museum.

Wir arbeiten zweigleisig, dramaturgisch funktionieren unsere Filme so, dass man sie linear anschauen kann, aber sie funktionieren auch als Ausstellungsexponate. Beide Welten sind für uns interessant.

Ihre Filme sind Zusammenschnitte bestimmter Motive aus anderen Filmen: etwa Blicke in einen Spiegel oder Züge, die durch Tunnel fahren. In „personne“ hat man es mit einem einzelnen Mann zu tun. Und mit einer Art Krisensituation.

Es ging uns um Identitätsfragen, um ein Gefühl von Entfremdung vom eigenen Ich und der Umwelt, auch um Einsamkeit. Aus diesem Ansatz haben wir den Film entwickelt. Die Umgebung erscheint in den gewählten Szenen oft abweisend, die Arbeitswelt ist entleert, Türen gehen auf und zu, und hinter ihnen ist nichts.

Und man sieht viele leere, traurige Blicke.

Eine Figur, die in „personne“ immer wieder zu sehen ist, sozusagen als Stellvertreter, ist Jean Louis Trintignant, und der schaut nicht traurig, sondern leer. Aber darin ist er ein Meister.

Im Abspann sind etwa 100 Quellen zu sehen.

Es sind sogar mehr als 140.

Das sind die Filme, aus denen Ausschnitte in „personne“ zu sehen sind. Mit wie vielen Filmen haben Sie gearbeitet?

Gesichtet haben wir etwa 500 bis 600 Filme. In unseren gemeinsamen Arbeiten teilen Matthias Müller und ich uns die Sichtung auf. Hier ging es vorwiegend um das Kino der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre. Wir protokollieren das Gesehene, legen Standbilder an von Einstellungen, die wir interessant finden. Dann wählen wir die Bilder aus, die infrage kommen könnten. Wir beginnen mit etwa 1000 Einstellungen – dann suchen wir, durchaus sehr assoziativ, nach Zusammenhängen, probieren Montagen aus und entwickeln die Dramaturgie. Vieles bleibt dann auf der Strecke.

Wie ist das, wenn man einige Hundert Filmdokumente mit dem Blick auf die existenzielle Krise sichtet? Zieht einen das nicht furchtbar runter?
Nein, das ist zwar manchmal anstrengend, aber auch mal recht heiter. Und man lernt ja auch eine Menge. Gerade die Figur von Jean Louis Trintignant ist interessant: Der hat ein sehr breites Werk als Schauspieler, das man so sehr umfassend kennenlernen konnte.

Schauen Sie sich eigentlich auch privat Filme von heute an?

Na klar.

Schaffen Sie das, ohne den Blick auf eine Zweitverwertung im Rahmen der Kunst?

Ja, das kann ich inzwischen gut trennen. Natürlich fallen mir manchmal bestimmte, besonders gängige Motive auf, die wir mal gesammelt haben, etwa der Blick in den Spiegel.

Wird „personne“ irgendwann auch auf Youtube zu sehen sein?

Nein. Wir präsentieren unsere Sachen nicht im Internet, weil uns die Rezeptionshaltung dort nicht so gefällt. Die Konzentrationsbereitschaft ist gerade bei Youtube-Inhalten oft geringer. Man schaut nebenbei. Es sollte aber schon ein Ereignis sein, diesen Film zu gucken. Also zeigen wir ihn im Kino. Und er wird nach der Berlinale auch auf weiteren Festivals laufen.

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