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Viel Musik und wenig Worte

Junges Theater Göttingen Viel Musik und wenig Worte

Die Idee ist nicht neu, aber verlockend: Lieder zu einem Thema aneinanderfügen und damit eine Geschichte erzählen. Regisseurin Milena Paulovics und Musiker Fred Kerkmann haben das im Jungen Theater umgesetzt. „Money, Money, Money“ heißt die Produktion, die bei der Premiere stürmisch gefeiert wurde.

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Quelle: Heise

Göttingen. Ort des Geschehens ist Rosis Bar, eine Kneipe mit dem entsprechenden Charme. Hier giert der Glücksspieljunkie nach dem nächsten Euro, um ihn sofort im Automaten zu versenken. Hier trifft der junge Mann mit dem roten Herzballon am Handgelenk die Frau, die ihn gerade verlassen hat und will die Aussprache. Hier sorgt die Barfrau für Rausch und Ordnung. Hier macht der Schnösel einen auf dicke Hose. Hier wird gesnieft, geputzt, gekotzt und geprügelt.

 

100 Minuten lang singt sich das komplette JT-Ensemble durch die Popmusikgeschichte von 1936 bis in die Gegenwart. Gesprochen wird kein Wort, doch die kleinen zwischenmenschlichen Geschichten, die die Akteure mit ihren Liedern erzählen, sind gut nachzuvollziehen – und manchmal sogar viel berührender, als es der Popmusik zuzutrauen ist.

 

29 Songs haben Kerkmann und Paulovics zusammengesucht, die alle in irgendeiner Form von Geld handeln, vermutlich nach der Liebe das meistbesungene Thema der Welt. Lieder von Weltstars wie Tom Waits und den Rolling Stones tauchen auf, Unvergessenes von Politkämpfern wie Ton Steine Scherben und Brandaktuelles von den Rappern von K.I.Z, unterstützt von Henning May. Das älteste Stück stammt von dem Österreicher Jura Soyfer, einem politischen Schriftsteller, der im KZ umkam.

 

In diese Setliste hat sich das JT-Ensemble mit ganz viel Spaß hineingeworfen. Dass sie viel Stimme haben, zeigten Linda Elsner und Karsten Zinser schon in der musikalischen Vorläufer-Produktion „Forever 27 Club“. Doch jetzt ist noch Peter Christoph Scholz dazu gekommen, ein enorm musikalischer Schauspieler, dem die Spielfreude aus jedem Knopfloch leuchtet. Eine echte Bereicherung.

 

Diesmal ist es dem Regieteam zudem noch gelungen, den Bühnenanteil dem sanglichen Vermögen der Darsteller anzupassen. Das tut der Produktion hörbar gut. Sie tummeln sich im Bühnenbild, das Susanne Ruppert ein wenig unauffällig, aber mit schönen kleinen Einfällen wir einer aufklappbaren Toilette entworfen hat. Für die Live-Band hat sie den hinteren Teil der Bühne vorgesehen. Und den füllen die Musiker um den musikalischen Leiter, den Gitarristen Kerkmann, sehr souverän. 100 Minuten am Stück spielen müssen auch diese Profis erstmal stemmen.

 

Rund ist diese Produktion geworden, nie langweilig, immer wieder aufgelockert mit großem Gefühl, buntem Slapstick einem großen Nagetier und einem Astronauten. Das hat Regisseurin Paulovics temporeich und dramaturgisch klug zueinandergeführt. Ein ausgesprochen kurzweiliger Abend mit musikalischen Glanzlichtern. Das Premierenpublikum feierte alle Beteiligten minutenlang euphorisch. Man braucht kein Prophet zu sein, um der Produktion eine glanzvolle Laufzeit vorherzusagen.

 

► Weitere Vorstellungen: 12., 19. und 27. Februar sowie am 5., 11. und 18.März um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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