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Viel Swing in Göttingen: „Frankie Boy“ im Deutschen Theater

Uraufführung erzählt vom Leben des Sängers Frank Sinatra Viel Swing in Göttingen: „Frankie Boy“ im Deutschen Theater

Mafia und Marlene, Mythos und Mercedes: Mit “Frankie Boy” hat das Deutsche Theater in Göttingen am Sonnabend eine Hommage an Frank Sinatra auf die Bühne gebracht. Das Publikum war begeistert von der musikalisch gelungenen Inszenierung der “Simply Swing Society” von Erich Sidler und Sara Örtel.

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Göttingen. 100 Jahre wäre „The Voice“ oder „Ol‘ Blue Eyes“ im Dezember 2015 geworden. So ein Jubiläum hätte es nicht gebraucht, um dem wohl erfolgreichsten Entertainer des 20. Jahrhunderts ein Stück zu widmen, aber ein Grund mehr ist es in jedem Fall.

Erich Sidler, Intendant des Deutschen Theaters, Erich Sidler und Dramaturgin Sara Örtel spüren in ihrem Stück „Frankie Boy – Ein Abend über Frank Sinatra mit Musik von Cole Porter“ episodenhaft dem Mythos Sinatras nach und legen den Fokus neben seiner Sangeskunst auf Sinatras immer wieder zu Spekulationen führenden Beziehungen zur Mafia und seine zahlreichen und teilweise legendären Liebschaften wie zu Marlene Dietrich (mit herrlich deutschem Akzent: Andrea Strube), die Sinatra als den „Mercedes unter den Männern“ bezeichnete.

Riesengroß sind die Fußstapfen des körperlich kleinen Sinatras, in die Moritz Schulze an diesem Abend tritt. Mit seiner vollen, charismatischen Stimme und seiner erstaunlich lässigen Ausstrahlung singt der junge Schulze den ausverkauften Saal des Deutschen Theaters mit „One for my baby“ rasch auf seine Seite.

Er habe das Gespür, aber keine Technik moniert man, als der ehemalige Kellner und Sohn italienischer Einwanderer schließlich unter Vertrag bei Tommy Dorsey (Benjamin Krüger) steht, aus dem sich der ambitionierte Sinatra aber auch schnell wieder lösen möchte. In dem Duett „Me and my shadow“ tragen Sinatra und Dorsey musikalisch gelungen und amüsant ihre Streitigkeiten aus. In einer neckischen Swing Version von „Can`t help lovin`dat man“ macht Ava Gardner (Katharina Uhland) ihrem Frank eine nicht nur stimmlich überzeugende Liebeserklärung.

So versucht die Inszenierung immer wieder Musik und tatsächliche Geschehnisse zu verbinden. Dieses Unterfangen gelingt nicht immer und ist manchmal der pure Willensakt, um möglichst viel Musik unterzubringen und die narrative Verbindung zu halten.

In einem Tief seiner Karriere kämpft Sinatra um eine Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“, die ihm 1953 einen Oscar als besten Nebendarsteller einbringt. Nicht nur an diesem Punkt in seinem Leben kann er sich auf Willie Moretti (Paul Wenning) und seinen Einfluss verlassen. Der bekannte Mafioso ist im Stück omnipräsent.

Dass der Sinatra dieser Inszenierung als auch der reale Sinatra eine Verbindung zur Mafia verneinten, ist reine Auslegungssachse. Hinter den dichten Nikotinwolken des Showbusiness‘ der 1940 und 1950er Jahre wurde so einiges bis zur Unkenntlichkeit vernebelt. Mit begeistertem Applaus feiert das Publikum diese vor allem musikalisch gelungene Darbietung mit der großartigen „Simply Swing Society“. Über zwei Stunden glänzende Stimmung anlässlich einer großen Stimme.

Die nächsten Vorstellungen von "Frankie-Boy" im Deutschen Theater in Göttingen: 15. und 24. Januar, 15. und 27. Februar um 19.45 Uhr im DT-1. Kartentelefon: 0551 / 496911

Von Marie Varela

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