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Viel freudiger Zierrat schmückt die Melodien

275-jähriges Uni-Jubiläum Viel freudiger Zierrat schmückt die Melodien

Der 275. Geburtstag der Universität war am Mittwoch Anlass für ein Sonderkonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters – des Jubilars wegen nicht in der Stadthalle, sondern in der vergleichsweise intimen Atmosphäre der voll besetzten Universitätsaula am Wilhelmsplatz.

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Mit der Solistin Cecile van de Sant in seiner Mitte: das Göttinger Symphonie-Orchester.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Dirigent Christoph-Mathias Mueller hatte ein sorgfältig zusammengestelltes musikalisches Bouquet mitgebracht: fast ausschließlich Stücke, die mit Göttingen und der Universität in Beziehung stehen.

Gleich die Eröffnung mit Carl Maria von Webers „Jubel-Ouvertüre“ war ein solches Werk. Im Schlussteil der Ouvertüre, komponiert 1818 zum 50-jährigen Jubiläum des Regierungsantritts des Königs von Sachsen, ist die Hymne „God save the king“ zitiert. Sie wurde 1745 uraufgeführt – zu Ehren des englischen Königs Georg II., des Gründers der Göttinger Universität, nach dem sie Georgia Augusta benannt ist.

Dass diese Jubel-Ouvertüre ihren Namen verdient, machte Mueller zusammen mit seinen Instrumentalisten mitreißend deutlich. Viel freudiger Zierrat schmückt die festlichen Melodien, wobei besonders die Holzbläser mit virtuosen Figuren hervortraten.

Eine besonders hübsche musikalische Bebilderung der universitären Verbundenheit mit England schloss sich an, die „Capriol-Suite“ des englischen Musikers (und Kritikers) Peter Warlock, eine Folge von sechs unterhaltsamen Tanzsätzchen, deren Themen der Komponist einer altfranzösischen Tanzsammlung entnommen hat. Sie bildeten das heitere Zwischenspiel vor der ernsten Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms.

Hier liegt der Göttingen-Bezug in der Person des Komponisten, der in der Universitätsstadt 1853 den Geiger Joseph Joachim besucht und sich bei dieser Gelegenheit in die Professorentochter Agathe von Siebold verliebt hatte. Solistin der Alt-Rhapsodie (auf einen Text aus Goethes „Harzreise im Winter“) war die niederländische Mezzosopranistin Cecile van de Sant, die hier den Reiz ihrer vollen, warmen, dunkel timbrierten Stimme wunderschön entfalten konnte.

Vokal unterstützt wurde sie im Schlussteil der Rhapsodie von den Männerstimmen der Göttinger Jacobi-Kantorei, die Stefan Kordes auf diesen Einsatz sorgfältig vorbereitet hatte.

Weil die Sängerin mehrfach im Ensemble der Göttinger Händel-Festspiele – 1920 gegründet auf Betreiben von Mitgliedern der Göttinger Universität – aufgetreten ist, steuerte sie noch zwei populäre Händel-Arien bei: „Verdi prati“ aus „Alcina“ und „Lascia ch’io piango“ aus „Rinaldo“. Beide Arien waren in französischen Arrangements des 19. Jahrhunderts zu hören.

Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass die Sängerin sie eher in romantischem als in barockem Sinne gestaltete. Wobei sich die Qualität der Musik daran erweist, dass sie auch in diesem Gewand ihre Wirkung ausstrahlt.

Zum heiter-geistreichen Ausklang – eine solche Stimmung darf man sich für die Göttinger Universität der Zukunft gern wünschen – spielte das GSO Haydns D-Dur-Symphonie „The Miracle“, sehr inspiriert, sehr virtuos, sehr pfiffig. Brausender Beifall und zum Dank zwei Offenbach-Zugaben: Cancan und Barcarole.

Von Michael Schäfer

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