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Vielschichtig und verwoben

„Künstler und ihre Ateliers“: Tageblatt-Serie, Folge 11 Vielschichtig und verwoben

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Sabine Harton.

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Kunst-Objekte aus Rohwolle und Seide: Sabine Harton forscht kreativ über Fragen nach Metamorphose und Befreiung.   

Quelle: Hinzmann

Bremke. Das Atelier der Künstlerin Sabine Harton ist klein. Fachwerkbalken und ein großes Schaufenster mit Blick auf die Heiligenstädter Straße prägen die Atmosphäre des Raumes. Draußen rauschen immer wieder Fahrzeuge vorbei. Schränke, ein Kindertisch mit Stühlchen, ein Stapel mit gruppierten Bildern. Malutensilien stehen in einem Regal und auf einem Arbeitstisch.

An einer Wand hängen aus weißem Leinen genähte Leibchen, einige mit spinnenartigen Ärmeln. Von der Decke baumeln Objekte aus Rohwolle und Seide. „Häutungsreste“, erklärt Harton, und Objekte, die für „Eingesponnenes“ stehen, so wie Spinnen ihre Opfer in dicke Pakete einspinnen. Viel Stofflichkeit ist dabei im Spiel. Die Künstlerin arbeitet für eine ihrer nächsten Ausstellungen und an einer Serie.

Zunächst ging es unter dem Titel „Der gewendete Körper“ um die Befreiung aus einem Korsett, danach in der Installation „Ophelia“ um das symbolische Loslassen eines Idealbildes und Rollenverständnisses. Jetzt gehe es um das Spannungsfeld zwischen einem schützenden Kokon, der eine Metamorphose zulässt, und der Befreiung aus einem Eingesponnensein.

„Es gibt immer ein Thema, das mich beschäftigt und das vertiefend bearbeitet wird und in einem größeren Kontext steht“, erklärt die 46-Jährige. „Ich arbeite seriell und parallel.“ Das heißt, sie malt, näht, faltet, fotografiert oder dreht Videos, die sie dann am Computer bearbeitet. „Und das wird dann ineinander verwoben.“ Das „Vielschichtige“ gehört für Harton dazu.

Nahe Stuttgart geboren, hat Harton in Freiburg und Ottersberg Malerei und Grafik studiert und schließlich  an der Hochschule für Künste in Bremen Malerei, Druckgrafik und Zeitmedien, wozu Film und Video zählen. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Kunstlehrerin arbeitet sie seit 2003 als freischaffende Künstlerin. Vor sieben Jahren zog sie der Liebe wegen nach Bremke. Mit ihrer Familie wohnt die dreifache Mutter gleich neben dem Atelier.

„Mir ist wichtig, dass ich frei arbeiten und ausstellen kann, dass ich einen Austausch habe, eine Reflexionsmöglichkeit und die Freiheit, das zu tun, was in mir ist“, beschreibt Harton ihren Antrieb als Künstlerin. Nachdem sie thematisch auf aktuelles Geschehen wie die Reaktorkatastrophe in Fukushima reagiert habe, gehe  es ihr jetzt mehr um ihre eigene Position zu aktuellen Themen „auf der Ebene des Gefühlten und des Gestaltenden“. Nach einer Phase in der sie wieder verstärkt gemalt und „viele Schichten übereinander gesetzt“ habe, liege ihr Schwerpunkt derzeit auf Installationen.

Und welche Fragestellungen sind maßgeblich in ihrer künstlerischen Arbeit? „Die Suche nach Freiheit und der Gestaltung der Welt, die Suche nach sich und den eigenen Grenzen und Möglichkeiten. Die Suche nach Individualität in der Gesellschaft – das ist die Frage“, sagt Harton. Und wo geht es hin? „Ich brauche ein größeres Atelier, und ich hätte gerne ‚öffentliche Räume‘, die ich gestalten und in denen ich meine Installationen präsentieren kann, auch um ins Gespräch und in einen künstlerischen Dialog zu kommen.“

Von Karola Hoffmann

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