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Vier Künstler präsentieren in Göttingen Gemeinschaftsausstellung „Abgeklebt“

Kultur Vier Künstler präsentieren in Göttingen Gemeinschaftsausstellung „Abgeklebt“

Ausbrüche aus der Utopie, ein Kindheitstraum oder eine wilde Vernetzung – es lässt sich vieles hineininterpretieren in die bunten Bilder und Skulpturen von Constanze Prelle, Bernhard Kock, Frank Rosenthal und Reinhard Stoppe. Die Formen und Linien der Werke der Künstler erinnern an den Konstruktivismus, Hard Edge und Konkrete Kunst.

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Grelle Raster unterbrochen von feinen Linien und Mustern: Eine Arbeit von Bernhard Kock.

Quelle: Vetter

Göttingen. Alle Exponate haben eines gemeinsam: Sie haben in irgendeiner Form mit Klebeband zu tun. In der Ausstellung „Abgeklebt“ präsentieren die Hannoveraner Künstler ihre Werke beim Verein Künstlerhaus im Lichtenberghaus.

„In den Werken machen die Künstler etwas Marginales zum Protagonisten“, erklärt Michael Stoeber, Göttinger Kunstkritiker. Auf ganz unterschiedliche Weise machen Prelle, Kock, Rosenthal und Stoppe von dem Klebeband Gebrauch.
Prelle verwendet es in ihren Skulpturen. So hat sie zum Beispiel einen Turm aus vielen farbigen, quadratischen Blättern Papier und weiteren Materialien gestapelt. Das Gebilde ist in sich gedreht – „windschief“, beschreibt es Stoeber. Auch andere ihrer Skulpturen weisen Unregelmäßigkeiten auf. Ein Ball aus Folie ist zwar rund, er hat dennoch keine Idealform. Prelles Gebilde aus verschiedenen Paketklebebändern ist durchlöchert und kantig. Stoeber sieht darin einen Ausbruch aus einer Utopie, die Abweichung von   den klaren geometrischen Formen.

Auch die ausgestellten Gemälde und Collagen weisen stets eine Verbindung zum Klebeband auf. Zumeist verwendet, um klare Konturen und Linien zu erzeugen, stellt das Band, wenn es sich noch in Resten auf dem Bild befindet, oft einen Ausbruch aus diesen klaren Verhältnissen dar.

Auch Rosenthals Werke beinhalten dieses fragile Gleichgewicht.  Klar umrissene, gerade Linien in ähnlichen Positionen befinden sich auf seinen Bildern. Ihre Fluchtpunkte verlaufen sich oft in der Leere. Unterbrochen werden diese Regelmäßigkeiten dann durch einzelne schräge Linien, einzelne verwaschene Konturen oder gar gebogene Linien. „Hier verschwimmt der Wunsch nach Harmonie und Vervollkommnung mit der Realität“, erklärt der Künstler.

Kocks Werke sind vor allem eines: sehr bunt. Sie weisen an große Pixel erinnernde, neonfarbene Raster auf. Unterbrochen werden die Regelmäßigkeiten auch in seinen Kompositionen durch feine Linien, Strukturen und Muster. Komplementäre Farben grenzen hier oft aneinander. Wild und kraftvoll wirken die Gemälde. Tanzend scheinen die Linien, die mit ein bisschen Abstand zum Bild plötzlich große Konstrukte ergeben.

„Schon als Kind haben mich Städte und Landkarten fasziniert“, erklärt der Künstler. Was in seinen Gemälden auf den ersten Blick wie Chaos wirkt, sei in seinen Gedanken eine Komposition aus vielen Dingen. Grünflächen, U-Bahn-Netzwerke, Telefonleitungen, Arbeitsplätze – das Netzwerk, das große Ganze dann, das seien Städte, in der jeder seinen Platz hat.

Stoppe zeigt, dass auch „Übrig Gebliebenes“ zum Kunstwerk werden kann. Die bunt bemalten Klebestücke, die einst Linien in den Werken begrenzen sollten, hat er zum zentralen Mittel seiner Collagen gemacht. So ist selbst Klebeband in seiner letzten Form – nach dem eigentlichen Verwenden – noch zur Kunst brauchbar.

Die Werke der Gemeinschaftsausstellung werden so auf kunstvolle Art und Weise zusammengebracht. Um dies zu verdeutlichen, haben die vier Hannoveraner noch zu einem letzten Kunstgriff gelangt. An einer Säule haben sie allen Ursprung ihres Schaffens vereint - und Paketklebeband in loser Formation auf die Tapete geklebt.

Die Ausstellung „Abgeklebt“ im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, ist bis Sonntag, 15. März, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

    
kuenstlerhaus-goettingen.de

Von Theresa Hellwig

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