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Violinist Henning Vater spielt Mysteriensonaten

Tänzerisches Spiel Violinist Henning Vater spielt Mysteriensonaten

Eines der ungewöhnlichsten Werke der Musikgeschichte: Die 16 Mysteriensonaten des Barockkomponisten Heinrich Ignaz Franz Biber sind so einmalig, weil der Komponist für diesen Zyklus 15 unterschiedliche Violinstimmungen vorschreibt – eine Herausforderung an Virtuosität und Konzentration für jeden Violinisten.

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Organist Antonius Adamske begleitet Violonist Henning Vater auf zurückhaltende Art mit oft lang anhaltenden stehenden Tönen. Doch gerade diese gekonnt reduzierte Continuo-Begleitung verleiht dem Werk das kontemplativ Erhabene.

Quelle: Theodoro da Silva

Nikolausberg. Am Sonnabend spielte der Violinist Henning Vater fünf dieser Sonaten in der Klosterkirche Nikolausberg.

Biber (1644-1704) war einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Violinschule vor 1700. Seine 16 Mysteriensonaten aus dem Jahre 1676 vertonen die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes. Dabei verwendet der Komponist den Kunstgriff der „Skordatur“ - eine von der Norm abweichende Stimmung. Bei den Mysteriensonaten hat die Violine immerhin 15 verschiedene Stimmungen. Dies hatte für Biber sicher klangliche Gründe, wird aber auch mit barocker Zahlensymbolik gedeutet. Vater wählte für den Abend passend zur Weihnachtszeit die ersten fünf Sonaten über die Geburt von Jesus.

Der Violinist beginnt auf einer normal gestimmten Violine. Virtuos meistert er in schnellen Läufe. In langsamen Passagen erfasst er aber auch die spirituelle Dimension des Werkes indem er den zugrundeliegenden religiösen Text in entsprechende Stimmungen wandelt.  Bei den folgenden Sonaten auf unterschiedlich gestimmten Violinen hört man die reizvollen Chancen der Skordatur: eine ungewohnte Klangcharakteristik der Violine und eine spannungsgeladene Mehrstimmigkeit.

Der Violinist, der auch Konzertmeister des Göttinger Barockorchesters ist, spielt souverän mal zart und filigran, dann aber auch mal betont kraftvoll. Leuchten lässt er beispielsweise die betörend schönen Melodien der Ciacona der vierten Sonate. Sein Spiel ist leicht und tänzerisch, dann auch wieder versunken und demütig.

Organist Antonius Adamske begleitet Vater auf zurückhaltende Art mit oft lang anhaltenden stehenden Tönen. Doch gerade diese gekonnt reduzierte Continuo-Begleitung verleiht dem Werk das kontemplativ Erhabene.

Vater und Adamske interpretieren die Mysteriensonaten als das was sie auch gedacht sind: als religiöse Meditation. Die Schönheit, Anmut und Hingabe bei dieser Musik öffnet im Herzen des Hörers viele Türen - Türen zu einer höheren  Welt.

Von Udo Hinz

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