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Virologin Ilaria Capua: „Viren und Krankheitserreger finden einen Weg“

Göttinger Literaturherbst startet Virologin Ilaria Capua: „Viren und Krankheitserreger finden einen Weg“

Niederschwellige Vermittlung aktueller Wissenschaft und Forschung ist Schwerpunkt der „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“. Die Auftaktveranstaltung am Freitag in der Paulinerkirche, der Vortrag von Ilaria Capua, Virologin und Leiterin des EU-Referenzlabors zur Erforschung der Vogelgrippe in Padua war ein gutes Beispiel für die hohe gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse.

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Capua: „Wir sprechen über ein Problem, was die Gesundheit der Menschheit ernsthaft beeinträchtigt“.

Quelle: Vetter

Und „Italiens Influenza-Diva“, wie Moderatorin Veronika Hackenbroch ihre Gesprächspartnerin Capua in Anlehnung an deren Spezialgebiet „Differentiating Infected from Vaccinated Animals“ vorstellte, hatte wichtige Nachrichten: Sie plädierte für Datenliberalität in der globalen Science-Community und für gesellschaftliche Vermittlungsarbeit, um Pandemien effektiv in den Griff zu bekommen.

Ilaria Capua gilt als eine der ersten Wissenschaftlerinnen, die entgegen der oft gängigen kompetitiven Praktiken in der Wissenschaft die weltweite Bereitstellung virologischer Daten vorantrieb. So werden etwa 60 bis 70 Prozent aller Krankheiten von Tieren übertragen und haben ihren Ursprung zumeist in Ländern der Dritten Welt. Hohe Population und verstärkter Bedarf an tierischem Protein machen entsprechende Dimensionen der Tierzucht notwendig. Doch findet diese – aufgrund mangelnder finanzieller Mittel oder veterinärmedizinischer Kenntnisse nicht immer unter ausreichenden, hygienischen Standards statt.

Schweine, Vögel und Geflügel gelten aufgrund ihrer weiten Verbreitung als häufigste Krankheitsüberträger. Doch bisweilen bergen auch länderspezifische Fleischdelikatessen, etwa Hühnerfüße und Affenfleisch oder exotische Haustiere die Gefahr der Übertragung tierischer Viren auf den Menschen.

Eine weitere Herausforderung, die die Virologie heute bestimmt, ist die Globalisierung: „Denn auch die Verbreitung von Viren erlebt eine Art Internationalisierung. Durch die Zirkulation in den jeweiligen sozialen Netzwerken erfolgen Infektionen in Teilen der Welt, die von bestimmten Viren bislang nicht betroffen waren“, so Capua über die aktuelle Situation.

So gelangen Viren durch weltweite Handels- und Flugverbindungen in neue, für sie nicht spezifische Weltregionen: „Vor 20 Jahren, war etwa das West Nile-Fieber eine exotische Krankheit, heute trifft man sogar auf Fälle in Europa“. Als weitere Beispiele nannte Capua die berüchtigte Vogelgrippe, die Blauzungenkrankheit oder den Monkeypox-Virus.

Capua unterstrich die unbedingte Notwendigkeit globaler Kooperation: „Viren und Krankheitserreger finden einen Weg, um ganze Ozeane und Erdteile zu überwinden. Wir müssen jedoch Wege finden, Informationen und Wissen darüber zu maximieren, um besser dagegen ankommen zu können“. Und so stellte Capua entgegen der Bitte der WHO die in ihrem Labor analysierte genetische Sequenz des H5N1-Viruses einer kleinen Gruppe ausgewählter Labore zur Verfügung: „Wir sprechen hier über ein Problem, das die Gesundheit der Menschheit ernsthaft beeinträchtigt, wir wissen wenig über die Ausbreitung des Virus und daher ist es wichtig, das Wissen allen zugänglich zu machen, um gemeinsam daran forschen zu können“, so Capua über ihre damalige Entscheidung. Und verwies stolz auf die mittlerweile etablierten und von Regierungen und internationalen Organisationen unterstützen Datenbank-Plattformen wie das weltweite Netzwerk GISAID, an dessen Initiative sie maßgeblich beteiligt war oder die europäische Epizone-Plattform.

Von Karoline Jirikowski-Winter

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