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Virtuoses Spiel und mutige Interpretationen

Violinwettbewerb Virtuoses Spiel und mutige Interpretationen

Der Internationale Joseph Joachim Violinwettbewerb hat wieder viele musikalische Hochkaräter aus der ganzen Welt nach Hannover gelockt, die derzeit noch auf die Verkündung des Siegers warten. Die „Stiftung Niedersachsen“ und die „Göttinger Händel-Gesellschaft“ haben ein Konzert des Wettbewerbs in Göttingen ausgerichtet.

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Harmonieren durch alle Epochen: SoJin und De Silvas.

Quelle: Vetter

Die in Hannover lebende Koreanerin SoJin Kim gastierte aufgrund des dem Wettbewerb angeschlossenen Konzertes „Zu Gast in Niedersachsen“ in der Aula am Wilhelmsplatz. Sie präsentierte dabei nicht nur stilistische Wandlungsfähigkeit, sondern auch einen eigenen Kopf bei der Interpretation.

Letzteres schien besonders bei Johann Sebastian Bachs Soloviolinsonate in g-Moll durch, mit deren Adagio sich SoJin Kim dem Göttinger Publikum vorstellte. Die Koreanerin nahm sich dabei Zeit für die technisch anspruchsvolle Komposition und betonte den lyrischen Charakter des Stückes. Das ist beileibe nicht der einfachste Weg der Werkinterpretation, da die Sprünge zwischen dem harmonischen Fundament und der weite Bogen schreibenden Melodiestimme keine Fehler verzeihen.

Die 26-Jährige ließ sich von den technischen Herausforderungen aber zu keiner Zeit aus der Ruhe bringen und arbeitete sich sauber durch die Sequenzierungen, ohne ihren Affektgehalt vermissen zu lassen. Ihre ganz hervorragende Klarheit im Ton machte sich besonders bei längeren Notenwerten bemerkbar, die sie mit beeindruckender Bogenführung glasklar bis zum letzten Zentimeter des Rosshaars auskostete.

Richtig austoben konnte sie sich dagegen bei Maurice Ravels Rhapsodie „Tzigane“. Deren erste Hälfte wurde von SoJin ebenfalls allein bestritten und konnte durch die Herausarbeitung der fast schon improvisatorisch anmutenden Wildheit des Satzes  überzeugen. 

Unterstützung bei ihren mutigen Interpretationen erhielt sie durch Rohan De Silvas am Flügel. Während Ravels Komposition den Abend mit ihrer Expressivität bereicherte, lagen die Zügel in Ludwig van Beethovens Sonate für Violine und Klavier in D-Dur in den fähigen Händen von De Silvas. Dieser bewies schon bei der klar strukturierten Exposition des ersten Satzes, dass er die dynamische Sensibilität mitbringt, nach der eine Musikerin wie SoJin Kim verlangt.

Dass ihre Zusammenarbeit funktioniert, bewiesen die beiden Musiker aber bereits zuvor in Sergei Prokofievs Duosonate in D-Dur. SoJin, der auch in den schwierigsten Passagen dieses Werks die Freude an der Musik im Gesicht geschrieben stand, hatte sichtlich Spaß. Das zeugt von einer musikalischen Persönlichkeit, die bereits mehr Souveränität besitzt, als ihr junges Alter vermuten lässt.

Von Jonas Rohde

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