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Vom Ghostwriter zum Thrillerautor

Lesung Vom Ghostwriter zum Thrillerautor

Eigentlich ist er Australier Michael Robotham ein fröhlicher Zeitgenosse. Während seiner Lesung am Dienstagabend in der Göttinger Buchhandlung Deuerlich scherzte er vergnügt, obwohl der Gegenstand seiner Lesung das nicht unbedingt vermuten ließ. 

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Der eine liest in Englisch, der andere in Deutsch: Michael Robotham (links) und Ralf Bauer.

Quelle: Theodoro da Silva

Der Autor stellte sein aktuelles Buch vor, den Thriller „Dein Wille geschehe“. Zwei reale Fälle aus unterschiedlichen Ländern haben Robotham zu dem viereinhalb Zentimeter dicken Werk angeregt, erklärte er. Im englischen Newcastle hatte ein Mann Informationen über Mädchen in der örtlichen Presse gesammelt, später deren Mütter angerufen und die Entführung der Kinder vorgegaukelt. Und in Australien wurden rund 600 Frauen Opfer eines ähnlich agierenden Täters.

In dem neuen Thriller lässt der Autor den klinischen Psychologen Joe O’Loughlin gegen einen Täter antreten, der Frauen mit der vermeintlichen Entführung und Folterung ihrer Töchter per Telefonanruf in den Tod treibt. Schnell ist klar, dass der psychopathische Täter seinen Job versteht, die Persönlichkeit der Frauen zu brechen. Er ist Profi und hat dies schon für sein Land getan, erläutert Robotham. Den Part des Psychologen las Robotham an diesem Abend in englischer Sprache, den des Täters übernahm Ralf Bauer, der sich als Darsteller in leichter Fernsehunterhaltung einen Namen gemacht hat. Er war kurzfristig für Dominic Raacke eingesprungen, hatte vorab einen Absatz gelesen und sofort gewusst: „ein wunderbares Buch“, sagte der TV-Beau.

Drei unter den ersten zehn

Schon im Alter von zwölf Jahren habe er Schriftsteller werden wollen, erzählte Robotham. Über den Journalismus sei er zum literarischen Schreiben gekommen. Als Ghostwriter verfasste er 15 Biographien, bei acht der Werke dürfe er nicht preisgeben, für wen er geschrieben habe, so Robotham. Immerhin verriet Moderatorin Regula Venske, dass zeitgleich drei dieser Arbeiten unter den ersten zehn in den Büchercharts in Großbritannien  aufgetaucht seien – ohne Namensnennung Robothams natürlich. Ob ihn das nicht frustriere, wollte Venske wissen. „Auch der Postbote schreibt seinen Namen nicht auf den Brief, den er zustellt“, erläuterte Robotham seine Einstellung zum Ghostwriting, das er zu Gunsten der literarischen Produktion aufgegeben habe.

Vier Thriller hat er inwzischen auf den Markt gebracht, alle möge er, sagte Robotham. Lieben könne er „Dein Wille geschehe“ allerdings nicht. Er habe darin Abschnitte geschrieben, die auch ihn selbst verstörten. Die Filmrechte für das Buch sind schon an die BBC vergeben, bei Erfolg, sollen auch Robothams andere Werke verfilmt werden.

Das letzte Angebot, die Lebensgeschichte eines Prominenten aufzuschreiben, habe er übrigens von dem Rocksänger Ozzy Osborne erhalten, erzählte Robotham gegen Ende. Doch er habe abgelehnt: „Der könne sich an sein Leben nicht erinnern“, begründete Robotham mit Blick auf Osbornes enormen Drogenkonsum.

Michael Robotham: „Dein Wille geschehe“, Goldmann, 2009, 567 Seiten, 19,95 Euro.

Von Peter Krüger-Lenz

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