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Von Fachleuten verbürgtes Wissen der Welt

Kindlers Literatur Lexikon Von Fachleuten verbürgtes Wissen der Welt

Fünf arbeitsreiche Jahre hat es gedauert, jetzt ist das Mammutprojekt abgeschlossen: Der Göttinger Germanist Prof. Heinz Ludwig Arnold hat die dritte Auflage von Kindlers Literatur Lexikon als Herausgeber fertiggestellt. Anfang September kommt das 18-bändige Werk in den Buchhandel.

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„Wir waren fleißig“: Prof. Heinz Ludwig Arnold hat die dritte Auflage des Kindler-Literaturlexikons ediert.

Quelle: Schäfer

Der Kindler: Kenner brauchen keine weitere Bezeichnung. Mit diesem Wort — der Name des Verlags der Erstauflage – ist das berühmteste deutschsprachige Literaturlexikon des 20. Jahrhunderts eindeutig bezeichnet. In Langfassung lautet der Name „Kindlers Literatur Lexikon“. 

Vor sechs Jahren, im Frühjahr 2003, traf der Göttinger Germanist Prof. Heinz Ludwig Arnold mit Rüdiger Salat zusammen. Salat gehört zur Geschäftsführung der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, in der der „Kindler“ erschien. Die beiden kamen auf das Lexikon zu sprechen, Salat fragte, ob Arnold sich vorstellen könne, eine neue Auflage herauszugeben. „Da sagte ich ja – ohne mit der Wimper zu zucken“, erinnert sich Arnold.

Die erste Auflage, erschienen zwischen 1965 und 1973, war mit sieben Bänden noch verhältnismäßig schmal. Mit der zweiten Auflage (1988 bis 1992) wuchs der Umfang gewaltig an, nämlich auf 20 Bände. Nach Arnolds Angaben enthält diese zweite Auflage gut 1000 Artikel mehr als die erste, „überzogen mit einem Filigranwerk von Bibliographien, vollgestopft mit Zitaten“. Aber dennoch war sie geschäftlich ein Riesenerfolg, der 20-Bänder brachte es in der teuren Hardcover-Ausgabe auf 50000 Exemplare, in der broschierten Studienausgabe kamen noch einmal 80000 Stück dazu. Die neue Auflage sollte kompakter werden, „überarbeitet und entrümpelt“, wie Arnold berichtet.

Doch erst einmal ließ ihn der Verlag schmoren. Die Entscheidung, ob dieses Werk in Angriff genommen werden sollte, kostete Zeit, viel Zeit. Im Juni 2004 endlich kam der entscheidende Anruf: „Dann legten wir los.“

Genau durchdacht

Arnold hatte sein organisatorisches Konzept genau durchdacht. Für alle Nationalliteraturen und -sprachen engagierte er Fachberater, zusammen 75 Spezialisten (19 stammen von der Universität Göttingen): „die besten, die ich kriegen konnte“. Diese koordinierten und kontrollierten die Artikel ihrer Zulieferer, rund 1600 wissenschaftliche Autoren. 

Die veränderte Zeitlage hinterließ ihre Spuren auch in der Artikelplanung, der Zusammenbruch des Ostblocks etwa, die Globalisierung, die beispielsweise afrikanische, südasiatische oder ostasiatische Literaturen stärker ins Blickfeld rückt (weshalb die deutsche Literatur etwas zurückgefahren werden musste). All dies diskutierte Arnold im November 2004 auf einer Fachberaterkonferenz, bei der das Gesamtkonzept festgelegt wurde.

Das war der Startschuss für die eigentliche Arbeit: das Sommeln, Kontrollieren, Redigieren und Korrigieren der Artikel. Sechs Lektoren waren dafür in Göttingen aktiv, zwei fest angestellt, vier Honorarkräfte. Nicht ohne Stolz berichtet Arnold, dass die Hälfte der Artikel ganz neu geschrieben worden sind, die andere Hälfte bearbeitet. „Der Kindler ist jetzt von Grund auf renoviert“, beschreibt der Germanist das Ergebnis seiner am 1. Oktober 2008 abgeschlossenen Arbeit und hebt als Beispiel den „ganz neuen“ Goethe-Artikel von Ulrike Landfester aus St. Gallen hervor. Neu ist die umfassende Berücksichtigung der wichtigsten Werke der Sachliteratur der verschiedensten Disziplinen von Philosophie über die Naturwissenschaften bis zur Ästhetik und Kunsttheorie.

Online-Aktualisierung

Am 4. September kommt das Werk in den Buchhandel. Ist es ein Anachronismus, solche Bücher zu drucken? „Nein“, antwortet Arnold. „Hier gibt es von Fachleuten verbürgtes Wissen über das Wissen der Welt“, sagt er mit einigem Stolz und fügt hinzu: „Ein solches Lexikon hat heute einen ähnlichen Stellenwert wie für die Alte Welt die Bibliothek von Alexandria.“ Den neuen technischen Möglichkeiten verschließt sich der Kindler keineswegs: Es gibt ihn auch als Online-Version (betreut von Christiane Freudenstein-Arnold), die mit rund 50 bis 70 Artikeln pro Jahr aktualisiert wird. Den Aktualisierungsdienst kann man abonnieren.

„Arbeit am Mythos Kindler“ heißt der Vortrag in der Reihe „Wertung und Kanon“ von Heinz Ludwig Arnold am Mittwoch, 29. April, in der Göttinger Paulinerkirche, Papendiek 14. Beginn ist um 18.15 Uhr.

                                                                                            Von Michael Schäfer

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