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Von der Ostsee zurück an die Fulda

Wüpper-Skulptur „Die Schauende“ Von der Ostsee zurück an die Fulda

Die Schauende“ ist nach nach Hann. Münden zurückgekehrt. Die 400 Kilogramm schwere Bronzeskulptur des Mündener Künstlers Heinz-Detlev Wüpper (1911-1995) stand seit 1977 auf dem Gelände des Göttinger Jugend- und Schullandheims Pelzerhaken an der Ostsee.

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Fundament auf einer Bockwinde: Mario Noll mauert den Sockel für die Wüpper-Skulptur „Die Schauende“.

Quelle: Hinzmann

Der neue Eigentümer, der das Heim 2008 vom Landkreis erwarb, hatte kein Interesse an der Figur. Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers in diesem Jahr ergriff der ehemalige Hann. Mündener Bürgermeister und heutige Ehrenbürger Karl Wilhelm Lange die Initiative. Er gewann Sponsoren wie die Stadtwerke und den Gemeinnützigen Bauverein. Die Firma Stemmer übernahm den Transport der Skulptur. Die Firma Kirchner stellte sie am Freitag an ihrem neuen Standort an der Schlagdspitze, wo Kasseler und Wanfrieder Schlagd zusammentreffen, auf.

Dort wird die Figur am Mittwoch, 6. April, an Wüppers Geburtstag, um 16 Uhr enthüllt. Sie steht etwas erhöht auf dem Fundament einer Bockwinde, mit der einst die Waren zwischen Schiffen und Land hin- und hergehoben wurden. Ein wenig ähnelt die Figur der Meerjungfrau von Kopenhagen, meint Lange. „Die Schauende wird den leeren Platz aufwerten“, ist sich Antje Jahn vom Verein Touristik Naturpark Münden sicher. Die Stadtführer gingen mit ihren Gruppen regelmäßig an der Schlagdspitze vorbei.

Wüpper stammt aus einer Mündener Töpferfamilie. Der Bildhauer hat parallel zu seinem Kunststudium in Kassel Anfang der 1930er Jahre die Meisterprüfung im Töpferhandwerk abgelegt. In Münden war er dafür bekannt, dass er nicht mit Geld, sondern mit Töpferware bezahlte.
Wüpper war von 1940 bis 1945 Soldat. Zu Kriegsende geriet er in Gefangenschaft. In Frankreich gaben Offiziere Bildnisse ihrer ganzen Familien in Gips und Ton bei Wüpper in Auftrag. Damals knüpfte der Künstler Kontakte, die er auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland pflegte.

1946 machte sich Wüpper in der Pickelgasse 3 als freischaffender Bildhauer selbstständig. Vor allem in Südniedersachsen und in Nordhessen zieren seine Werke viele öffentliche Gebäude, Anlagen und Plätze.

Vor dem Neuen Rathaus in Göttingen steht zum Beispiel die überlebensgroße Bronzegruppe „Verbundenheit“ von 1977. Vor kurzen sind die Figuren durch eine Häkelkunst-Aktion wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden.

Die Stadt Hann. Münden hat 1989 auf dem Doktorwerder, einer Flussinsel in der Werra, einen Skulpturengarten mit Wüpper-Werken eröffnet. Die Gipsfiguren mussten allerdings zwischenzeitlich aufgrund von Wetterschäden wieder entfernt werden. Als das Welfenschloss 1992 Kultur- und Veranstaltungszentrum wurde, übergab der damals 81-jährige Wüpper 200 seiner Skulpturen der Stadt. Sie verpflichtete sich, die Werke zu erhalten und sie jedermann zugänglich zu machen. Im gleichen Jahr heiratete Wüpper ein zweites Mal. Mit seiner 40 Jahre jüngeren Frau, der Künsterlin Sylvia Tümmler, eröffnete er ein neues Atelier. 1995 ist er gestorben.

Im Museum im Welfenschloss, Schlossplatz, wird am Mittwoch, 6. April, nach der Enthüllung um 17 Uhr eine Wüpper-Ausstellung eröffnet. Am Donnerstag, 7. April, um 19.30 Uhr spricht Evelyn Lehmann, die früher als Kunsthistorikerin und Museumspädagogin an den Staatlichen Museen Kassel tätig war, im Lepantosaal des Welfenschlosses über den Künstler und sein Werk.

Von Michael Caspar

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