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Von jugendlichem Barock zu klassischer Reife

Händel-Festspiele Von jugendlichem Barock zu klassischer Reife

Sehr wohl hat sich der junge Händel in Italien gefühlt. Er wurde in höchsten Kreisen der Gesellschaft herumgereicht, war „il caro Sassone“, der „liebe Sachse“ – und brillierte mit seinen Kompositionen, für deren Aufführungen er offenbar exquisite Ensembles zur Verfügung hatte. Seine Vertonung des 110. Psalms „Dixit Dominus“, komponiert 1707 in Rom für den Kardinal Colonna, hat einen auffallend virtuosen Chorsatz: keine einfache Aufgabe für einen groß besetzten Chor wie die Göttinger Stadtkantorei.

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Transparenter Klang trotz großer Besetzung: Göttinger Stadtkantorei und Göttinger Barockorchester in der Johanniskirche.

Quelle: Mischke

Doch das Konzert in der voll besetzten Johanniskirche am Mittwoch bewies, dass sich die harte Probenarbeit gelohnt hatte. Zwar kann ein solches Ensemble nicht so flexibel und rasch reagieren wie ein Kammerchor, doch war der Stimmklang transparent, nirgends unangemessen massiv, und die Verzahnung zwischen Solo- und Tuttipartien gelang stets bruchlos und klanglich ausgewogen. So wurde Händels frühes Meisterstück zu einem eindrucksvollen, spannungsreichen Hörerlebnis, zu dem das virtuos musizierende Göttinger Barock Orchester einen Gutteil beitrug.

Mit der höhensicheren Sopranistin Laurie Reviol, dem in Göttingen wohlbekannten und geschätzten Altus Robin Blaze, dem stimmkräftigen Tenor Virgil Hartinger und dem beileibe nicht nur auf Bach abonnierten Bassisten Klaus Mertens stand Dirigent Bernd Eberhardt ein ausgewogenes Solistenquartett zur Verfügung. Es trug ebenso wie Chor und Orchester nachhaltig zur Lebendigkeit dieser Aufführung bei.

Neue Farben

Viel sanfter sind die musikalischen Konturen von Joseph Haydns „Theresienmesse“, ein klassischer Kontrapunkt zu Händels jugendfrischer Barock-Komposition. Dass auch hier die musikalischen Aufgaben sehr anspruchsvoll, ja teilweise knifflig sind, fällt angesichts der wunderbar ausgewogenen, in sich ruhenden Komposition nicht gleich auf. Hier war das Solistenquartett in den Frauenstimmen umbesetzt: Neue Farben brachten die sehr geschmeidig singende Sopranistin Ruby Hughes und die Altistin Diana Moore ein; sie ist Göttinger Festspielbesuchern der vergangenen Jahre aus drei Opernpartien vertraut. Mit dem sanften „Agnus Dei“ klang die Theresienmesse aus – begeistert aufgenommen vom ausdauernd klatschenden Publikum.

Von Michael Schäfer

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