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Vorstellung und theatralische Museumsführung: mit dem Jungen Theater in Teistungen

„Wege zur Freiheit“ Vorstellung und theatralische Museumsführung: mit dem Jungen Theater in Teistungen

Genau so war’s damals.“ Das befand eine Besucherin nach der Vorstellung „Heimweh nach Drüben“, mit der das Junge Theater (JT) Göttingen ein Festival unter dem Titel „Wege zur Freiheit“ – 20 Jahre friedliche Revolution“ gestartet hat. In der (seit der Premiere am 22. November 2008 um 20 Minuten gestrafften) Komödie geht es um zwischenmenschliche Grenzkonflikte, die Regisseurin Barbara Neureiter im Eichsfeld angesiedelt hat. Spielort war die Kulturhalle in Teistungenburg, also unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

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Ort der Erinnerung: Überbleibsel der ehemaligen Grenze .

Quelle: CR

90 Minuten vorher hatte das Ensemble seinen theatralisch-museumspädagogischen Rundgang „Noch ’ne Grenze im Kopf?“ durch das benachbarte Grenzlandmuseum präsentiert. „Waffen? Drogen? Druckerzeugnisse?“ Wer das Museum betreten wollte, musste die Grenzkontrolle passieren: enger Durchgang, grell erleuchtetes Panoramafenster mit winziger Durchreiche, dahinter ein barscher Kontrolleur in Originaluniform der DDR-Grenzposten, gespielt von dem JT-Ensemblemitglied Jörg Rohde. „Schauen Sie mich an, wenn ich mit ihnen rede“, herrschte er manchen Besucher an, Ausnahmen machte er auch für Schauspielerkollegen nicht, die sich angestellt hatten: „Stellen Sie sich hinten an“, blaffte der Grenzer. Genau so war’s.

45 Minuten dauert die Erinnerungstour, die sehr plastisch beispielhafte Stationen von Menschen in der DDR zeigt. Ein junger Mann (Florian Lenz) erzählt von seinen Werten, die er nicht gewahrt sieht, bevor er von der Polizei abgeführt wird. In einem kargen Besuchsraum trifft er seine Freundin, die seinem Aufbegehren gegen den Staat nicht folgen kann.

Zwangsverordnete Umsiedlung

Draußen auf dem Gelände des Museums wird den zu jungen Grenzschützern beförderten Besuchern die Notwendigkeit des Todesschusses an der Grenze erläutert. Eine Bäuerin und ein Gastwirt berichten von den Umständen ihrer zwangsverordneten Umsiedlung aus dem Grenzgebiet. Ein Vater erläutert seiner Tochter, dass im Westen „auch nicht alles Gold ist, was glänzt“. Am Ende des Rundgangs öffnet sich schließlich die Grenze. Ein junger Mann erinnert sich, wie er als erster DDR-Bürger den geöffneten Schlagbaum zwischen Ost und West durchfuhr. „Ich wollte doch nur ein Bier in Duderstadt trinken.“ Es ist ein Zeitzeugen-Bericht, der auch am Ende des Stücks „Heimweh nach Drüben“ steht – ein bewegender und auch bezeichnender Moment.

Unmittelbar nach der Grenzanlage erwartet den Ostler eine Westler-Menge, man drückt und herzt sich. Dann kommt der CDU-Politiker und heutige Göttinger Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer dazu, und bittet, das Auto des Ostlers endgültig in den Westen fahren zu dürfen – ein erschlichener historischer Moment oder eine Vorwegnahme der später folgenden Vereinnahmung. „Hoffentlich haut er nicht damit ab“, habe er damals gedacht, erinnert sich der Zeitzeuge. 

Von Peter Krüger-Lenz

Bis 21. Juni zahlreiche Vorstellungen und Museumsrundgänge. Kartentelefon: 0551/ 495015.

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