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Von Liebesnöten und Käsemaden

Literaturherbst Von Liebesnöten und Käsemaden

„Machen wir einfach weiter so“, gibt Verleger Thedel von Wallmoden das Motto für die nächsten Jahre vor. Sein 30jähriges Bestehen feierte der Göttinger Wallstein Verlag am Dienstagabend unter anderem mit einer Lesung seiner Autoren Teresa Präauer, Ralp Dutli und Kai Weyand beim Literaturherbst.

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Teresa Präauer liest bei der Feier zum 30jährigen Bestehen des Wallstein Verlags.

Quelle: Mischke

Göttingen. Eine kleine Laudatio schickte Lukas Bärfuss, spontan noch aus der Schweiz angereist, der Lesung seiner Kollegen voran. „Klagen der Autoren über Verlage gibt es wahrscheinlich so reichlich wie Sand am Meer“, so Bärfuss. Zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Werbung, zu wenig von allem. Bei Wallstein aber finde er die Sorgfalt, die sich jeder Autor für seine Bücher wünsche verbunden mit einem ungeheueren „merkantilen“ Talent.

Der Schweizer Autor und Übersetzer Dutli, bekannt unter anderem mit seiner Kulturgeschichte der Bienen und seinem Roman „Soutines letzte Fahrt“, liest aus dem ersten Band, den er mit Wallstein gemacht hat, den Fatrasien. Texte aus dem 13. Jahrhundert von Dutli aus dem Altfranzösischen ins Deutsche übersetzt. Kleine absurde Gedichte, ein bisschen Dada, ein bisschen Widersinn. Da ist von Käsemaden die Rede, von Fürzen, von Seidenstoffen, die eine Erbse krümmen wollen. Recht deftig geht es oft zu. „Ein gewisses Interesse an Ausscheidungs- und Geschlechtsorganen“ konstatiert Dutli. Leider sei der Abend nun nicht mehr jugendfrei, sagt er mit feinem Lächeln und liest noch weitere von diesen kleinen grotesken Schmuckstücken.

„Meine Bücher hier verlegen zu können, garantiert meine künstlerische Freiheit.“ Auch die Österreicherin Präauer unterstreicht zunächst, wie sehr sie ihren Verlag schätzt. Ein junger Mann in Liebesnöten ist die Hauptfigur ihres neuen Romans „Oh Schimmi“. Und dieser Schimmi macht sich für die Nini zum Affen, nicht nur im übertragenden Sinne. Dieser Plot aber gibt nur den Rahmen für Wortkaskaden, für Assoziationen in einer energiegeladenen Sprache, für immer wieder eingerückte Seitenhiebe auf unsere Vorurteile und Bequemlichkeiten. Dieser Text ist ohnehin ein Vergnügen. Aber wie Präauer ihn Text beim Vorlesen rhythmisiert, all diese feinen Einschübe akzentuiert und belebt, ist ein Hochgenuss.

Weyand beschließt die Lesung mit einigen Passagen aus seinem Roman „Applaus für Bronikowski“. Der Freiburger schreibt darin über den knapp 30jährigen Nies, einen Spieler, Beobachter, Tagträumer, der schließlich Bestatter wird. Weyand gelingt es, so Wallstein-Lektor Thorsten Ahrend, dabei die Balance zu halten zwischen komischen Momenten und der Würde des toten Menschen. Verschroben ist dieser Nies, aber unbedingt sympathisch.

Drei Autoren, drei wundervolle Bücher, langanhaltender Applaus. Wallmoden ist mit seinem Motto „weiter so“ wohl auf dem richtigen Weg.

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