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„Warteraum Zukunft“ im Jungen Theater

Ingenieure auf der kreiselnden Lebensscheibe „Warteraum Zukunft“ im Jungen Theater

Daniel Puttkamer ist um die 30 Jahre alt und Ingenieur. Er könnte auch einen anderen Beruf ausüben, für das Stück „Warteraum Zukunft“ von Oliver Kluck würde das keine große Rolle spielen, denn es geht schlicht um die aktuelle Arbeitswelt.

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Büroflirt: Gewerkschafter (P. Goffin, l.) baggert die Arbeitskollegin (A. Düe, M.) an, Puttkamer (H. Richters) verfolgt’s mit Grausen.

Quelle: Eulig

Ob nun Ingenieur, Friseur oder Sachbearbeiter: Für ganz viele hat sich die Arbeit verdichtet bei gleichgebliebener Arbeitszeit. Statt neues Personal einzustellen, muss der Einzelne eben mehr leisten, meinen die Chefs. Und die Hierarchiepyramide ist auch nicht eben flacher geworden. Alexander Krebs, bis Ende der vergangenen Spielzeit Hausregisseur am Jungen Theater Göttingen und jetzt frei arbeitend, hat „Warteraum Zukunft“ am JT inszeniert. Premiere war am Donnerstag, 16. September.

24 Stunden lang begleiten wir Puttkamer durch sein Leben, das ein hektisches ist. Früh aufstehen, 70 Kilometer zur Arbeit fahren, Kaffee kochen im Büro, freundlich sein, auf keinen Fall aufmüpfig, mit allen klarkommen – und auf die große Chance warten, die Beförderung. Puttkamer hat einen Doktortitel erworben, er ist hoch qualifiziert, leistungsfähig und auch willens, Gas zu geben. Und tatsächlich kommt er auch, sein Aufstieg. Doch anders als gedacht. Puttkamer soll nach Rumänien wechseln, für ihn ein Alptraum: „Und wenn ich mal zum Arzt muss?“ Die Feier am Abend mit seinem Freund Frank gerät aus dem Ruder. Puttkamer lässt sich volllaufen. Auf dem Heimweg kracht er mit dem Wagen in einen Radfahrer. Er begeht Fahrerflucht und geht wieder arbeiten.
Seine Karriere als Autor soll Kluck als Beschwerdebriefschreiber begonnen haben, wird erzählt. Ein Nörgler meinen die einen. Jemand, der auf Recht und Rechte pocht, sagen die anderen. Ganz präzise jedenfalls hat er diesen „Ort der nicht erfolgten Revolte“, so Kluck, beschrieben, dieses Büro, in dem jeder buckelt und schleimt, keult und aushält.
Regisseur Krebs hatte Erbarmen mit dem Protagonisten. Er lässt dessen Pensum von drei Schauspielern schultern. Anne Düe, Henrike Richters und Pascal Goffin tragen die gleichen grauen Anzüge, die gleichen Hemden, Krawatten und Pullunder. Einer alleine wäre verloren auf dieser Scheibe, die Puttkamers Welt ist und sich dreht und dreht und dreht ohne vorwärts zu kommen (Bühne: Axel Theune). Agnes Giese und Jan Reinartz spielen Chefs, Kollegen und Nachbarn, auch hier helfen die drei Puttkamers aus. Eine starke Ensembleleistung für einen klugen und tatsächlich auch vergnüglichen 80-minütigen Theaterabend.

Die nächsten Vorstellungen: 18., 23., 28. und 30. September, um 20 Uhr, weitere folgen im Oktober und November. Kartentelefon: 05    51   /   49    50    15.

Von Peter Krüger-Lenz

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Kluck bei der Premiere

Der Text funktioniert einfach. Ich habe überhaupt keine Angst, da reinzugehen“, sagt Oliver Kluck. Der Autor war zur Premiere seines Stückes „Warteraum Zukunft“ ins Junge Theater gekommen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht.

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