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Weichgespült und entspannt

Promenadenkonzert des GSO Weichgespült und entspannt

Nein, die Szene ist im Programmheft nicht ganz korrekt beschrieben. Jerry Lewis sitzt im Film „Der Ladenhüter“ nicht etwa an einer Schreibmaschine, sondern vor einem leeren Schreibtisch und bewegt seine Finger zur Musik von „The Typewriter“ in der Luft. Sehr komisch ist dieser Sketch, populär wie die Musik von Leroy Anderson, die dazu gespielt wird.

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Heitere Melodien: Dirigent Reto Parolari mit dem GSO.

Quelle: CR

Ausschließlich diesem amerikanischen Komponisten hat sich das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) im ersten Promenadenkonzert der Saison gewidmet. Leroy Anderson hat die Unterhaltungsmusik der fünfziger Jahre geprägt – nicht nur in den USA, wo er für Arthur Fiedlers „Boston Pops Orchestra“ arrangierte und komponierte, sondern auch in Europa. Die Orchester der deutschen Rund­funksender spielten die Anderson-Hits rauf und runter, vom „Blue Tango“ über „Trumpeter’s Lulleby“ bis hin zum legendären „Typewriter“.

Heute spürt man selbstverständlich den historischen Abstand deutlich. Was war das noch für eine heile musikalische Welt (auch wenn die äußere Welt überhaupt nicht heil war), wie problemlos heiter, entspannt, weichgespült sind diese Melodien! Pro Nummer ein Grundeinfall, ein bisschen plüschig, vielfach wiederholt, aber immer wieder belebt von witzigen Überraschungen.

Der Dirigent Reto Parolari, seit Jahren als Pultgast für solche Musik beim GSO zuständig, hatte neben den einschlägigen Stücken einleitend drei längere Werke Andersons auf das Programm gesetzt, die Ouvertüre zum Märchen-Musical „Goldilocks“ (der Titel klingt wie Andersons Musik), eine sechssätzige „Irish Suite“ und ein Klavierkonzert. Letzteres tritt pompöser auf als sonst bei Anderson üblich. Vielleicht hätte die Schweizer Pianistin Aglaia Graf ihren Solopart mit noch größerer Frechheit und Freiheit angehen können – so blieb der Eindruck bei aller technischen und musikalischen Souveränität doch etwas blass.

In der zweiten Konzerthälfte mit 15 Anderson-Evergreens hatten die GSO-Musiker Gelegenheit, ihre virtuosen und lyrischen Fähigkeiten solistisch zu präsentieren. Die ersten Violinen führten in „Fiddle Faddle“ wieselflinke Läufe vor, in „Sandpaper Ballet“ erwies sich Schlagzeuger Harry Bidlingmaier als rhythmischer Schleifspezialist. Wunderschön sanft schmetterten die drei Trompeten in „Buglers Holiday“, und Cellist Gregoire Fedorenko verjagte mit seinem perfekten Hundegebell, die „Waltzing Cats“ sehr wirkungsvoll vom Podium, bevor sich zum guten Schluss Dirigent Reto Parolari als fingerfertiger Schreibmaschinist entpuppte. Zwei Anderson-Zugaben waren der Dank des Orchesters für den begeisterten Beifall.

Von Michael Schäfer

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