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Welshly Arms: So gut wie im Radio

NDR2 Soundcheck Neue Musik-Festival Welshly Arms: So gut wie im Radio

Eingängige Drums, mehrstimmiger Gesang und ausgedehnte Gitarrensolos – die Band Welshly Arms hat auf dem Soundcheckfestival in der Göttinger Stadthalle bewiesen, dass sie live mindestens so gut ist wie im Radio. Vor fast ausverkauftem Publikum rockten die sechs Musiker bis die Gitarre zu Bruch ging.

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Welshly Arms beim DR2 Soundcheck Neue Musik-Festival.
 

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Mikey Gould bewegt seine Lippen nicht. Der Drummer ist der einzige der Sechser-Truppe, der sich ausschließlich seinem Instrument widmet. Getz spielt Gitarre und singt als Frontmann. Bassist Jimmy Weaver verkörpert den ruhigen Prototypen eines Bassisten. Er begleitet Getz auch mit der Stimme. Als sich die Band 2013 gründete, waren Welshly Arms nur zu viert. Mit dem Ehepaar Bri und Jon Bryant stehen jetzt zwei Background-Sänger mit auf der Bühne, die den Sound der Band nachhaltig beeinflusst haben.

Gebannt im Lichtermeer

Den Song „Legendary“, der den internationalen Durchbruch schaffte, haben sie in der aktuellen Besetzung eingespielt. Erst gegen Ende des Konzerts spielt Getz diesen Trumpf aus. Bri und Jon Bryant bringen eine Prise Gospel auf die Bühne, die „Legendary“ den epischen Nachhall verleiht, der die Stadthalle bis in die Ecken ausfüllt. „Legendary“ steigt ein mit dröhnendem Bass und langsamen Beat. Das wohl bekannteste Lied der Band schlägt die Zuhörer in seinen Bann und lässt ein Lichtermeer wogen. Der Song handelt von der Zuversicht, das Richtige zu tun und gegen alle Widerstände zur Legende zu werden. Eines Tages wird der Erfolg, der „Payoff“, kommen, singt Getz. Für die Band kommt dieser Erfolg gerade. Von Jam-Sessions beim gemeinsamen Barbecue-Abend haben es die sechs Clevelander auf die Bühne geschafft. Ihre eingängigen Melodien wurden von amerikanischen Filmemachern entdeckt. Unter anderem lieferte die Band die Titelsongs für den Blockbuster „Power Rangers“ oder die Netflix-Serie „Sense8“.

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The JP Cooper

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Die erste Platte „Welcome“ war noch eine klimprige Mischung aus Rock’n’Roll und Blues. Die starke Stimme von Bri Bryant scheint Getz aber Auftrieb verliehen zu haben. Auf dem aktuellen Album reizt er die Tonleiter weiter aus als in früheren Liedern. Mit „Bad Blood“ flirtet Getz mit einem Bad-Boy-Image. Zwar kann man auf der Bühne mit langen Haaren schon seit Jahrzehnten niemanden mehr schocken und die Musik ist so angepasst, dass sie im Radio gespielt wird. Doch obwohl Getz und Kollegen eher wie nice guys als bad guys rüberkommen, ergibt es ein schönes Lied. Liedtexte müssen nicht wahr sein. Kurz wird’s politisch. Getz fordert das Publikum auf, bei der Bundestagswahl wählen zu gehen: „Ich weiß, dass bei euch bald Wahlen sind. In unserer Heimat sind viele Leute erst auf die Straße gegangen, als es schon zu spät war.“

Was für ein Abgang

Welshly Arms mischen in ihrer Musik alles, was seine Wurzeln in Amerika hat – von Jazz, Blues über Rock’n’Roll. Sie wechseln und vermengen die Genres mühelos, so dass es zunächst kaum auffällt, als sie eine Coverversion des Reggae-Hit „Get up, Stand up“ von Bob Marley einbauen. Die Stimmung im Publikum steigert sich von Song zu Song. Bei sechs Leuten auf der Bühne, haben Welshly Arms eine feste Platzverteilung. Bei den letzten Songs lassen sie sich jedoch selbst mitreißen vom eigenen Rock. Um Bri Bryant weichen die anderen Bandmitglieder zurück, als sie anfängt sich im Kreis zu drehen und ihre langen Zöpfe fliegen. Frontmann Getz steht auf einmal auf dem Schlagzeug von Weaver und pfeffert schließlich seine Gitarre zu Boden. Was für ein Abgang!

Von Jorid Engler

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