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Weltklasse in intimer Atmosphäre

Neue Musik: Junge Komponisten und eine Altmeisterin Weltklasse in intimer Atmosphäre

Eine intime Atmosphäre in einer kleinen Dorfkirche – und zugleich Weltklasse Neuer Musik. Das Festival „Stallarte“ in Roringen“ bot in der St. Martinskirche ein Klassik-Glanzlicht der Region.

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Bei der Probe in der Kirche: Musikstudenten aus Frankfurt.

Quelle: PH

Die Besucher, die die helle Roringer Kirche betraten, tauchten ein in die Welt moderne E-Musik. Zuerst lernten sie eine sehr vitale 87-Jährige kennen: die deutsch-amerikanische Komponistin Ursula Mamlok. Sie reiste auf Einladung der Veranstalter Siegfried Lang und Christel Irmscher aus Berlin an. Im Gespräch erzählte sie aus ihrem Leben und Schaffen in Deutschland und Amerika.

Als ersten Glanzpunkt des Abends interpretierte Mamlok selber am Klavier ihre „Six Recital Pieces For Young Pianists“ – kleine, humorvolle Miniaturen. Anschließend spielten junge Musiker drei ihrer Kammermusik-Kompositionen und zeigten die harmonisch-melodische Eigenständigkeit in Mamloks Musik, die sich aus Einflüssen Europas und der USA geformt hat und stets poetisch wirkt.

Der zweite Teil des Abends war von dem jungen Tenor und Komponisten Mathias Monrad Møller organisiert. In der Pause lobte er das Festival: „Der Verein Stallarte bietet Ressourcen und ist künstlerisch sehr offen.“

Diese Offenheit reizte er aus. Die Zuhörer waren Zeuge von gleich vier Uraufführungen junger Komponisten aus Deutschland, Griechenland und den USA. Junge Musikstudenten aus Frankfurt interpretierten die Werke kompetent und sichtbar begeistert.

Das Werk „Abschiede“ des Gießener Komponisten Chris Herzog rückte durch die reduzierte Instrumentierung den Tenor-Gesang ins Zentrum. Das zweite von ihm vorgestellte Werk für Tenor und fünf Kassettenrecorder wirkte verstörend und zugleich dadaistisch verspielt.

Mit der Stille arbeitete die Griechin Vasiliki Georgas. In ihrem aufwühlenden Werk durchdrangen irritierende und elektronische Sounds die sehr zerbrechlichen flächigen Klänge. Das aufgeführte Werk des Amerikaner Joseph Lake ließ dagegen zarte Klänge in der Stille versinken und aus dem Nichts wieder auftauchen – beeindruckend. Der einmalige Charme dieses wunderbaren Konzertabends war die unmittelbare Nähe zu den vier anwesenden Komponisten sowie die Qualität und große stilistische Bandbreite der gespielten Werke.

Von Udo Hinz

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