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Wenn Deutsche zu Kindern werden

Schauspieler-Erfahrungen Wenn Deutsche zu Kindern werden

Seit September sind die aus Malawi stammenden Schauspielerin Eunice Kadzuwa und Misheck Mzumara in Göttingen. Am Dienstag treten sie zum letzten Mal in dem Stück „Mutter Afrika“ im Jungen Theater auf. Zeit, um Bilanz zu ziehen.

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Lust auf deutsche Küche: Eunice Kadzuwa.

Quelle: Hinzmann

Das Positive vorweg: Beiden hat es in Deutschland gut gefallen und es soll nicht bei einem Aufenthalt bleiben. Dieses Resümee ist nicht selbstverständlich, schließlich kamen sie mit gemischten Gefühlen nach Deutschland. Einerseits pure Vorfreude, andererseits Furcht vor Diskriminierung. Die erste Erfahrung empfand der 35-jährige Mzumara dann tatsächlich als unschön. Im Flughafen am Zoll sah er sich bei seiner Ankunft mit unzähligen, aus seiner Sicht überflüssigen Fragen konfrontiert. Doch sein Unbehagen sollte sich als unbegründet erweisen: Alle Menschen in seinem Umfeld hätten sich als sehr freundlich und zuvorkommend erwiesen, egal ob er sie auf einer ihrer Reisen innerhalb Deutschlands oder in einer der Göttinger Kneipen getroffen habe. Apropos Kneipe: „Ich liebe deutsches Bier“, sagt Mzumara. In gemütlichen Runden hätten sich intensive Gespräche und Freundschaften entwickelt. Im Sommer wird der Schauspieler sogar Besuch aus Deutschland erhalten.

Die 21-jährige Kadzuwa zeigte sich in kulinarischer Hinsicht sehr experimentierfreudig. Bereut habe sie es nicht, erklärt sie. Einziger Wehrmutstropfen sei, dass sie bislang kein Buch über deutsche Küche in englischer Sprache habe finden können. Auch bei ihr überwogen die positiven Momente. „Die Deutschen werden in ihrer Freizeit zu Kindern“, sagt sie augenzwinkernd ob der vielen schlittenfahrenden Erwachsenen im schneereichen Dezember. Kadzuwa mag den Schnee. Schade, dass es nur schneit, wenn es entsprechend kalt ist. Denn, soviel steht für sie fest: Der Winter in Deutschland ist eindeutig zu kalt.

Auch von dem Wunsch vieler Deutscher, etwas über das Leben in Malawi zu erfahren, waren die beiden erfreut und wünschen sich viele Touristen aus Deutschland für ihr Heimatland. Immerhin konnten sie bei 22 Vorstellungen mit mehr als 2200 vorwiegend jungen Besuchern Werbung für den südostafrikanischen Staat machen.

In einer Beziehung fanden beide die Deutschen dann aber doch seltsam: Einfach einen Spaziergang ohne Ziel zu unternehmen, ist für malawische Verhältnisse grotesk. Im Sommer können sie ihre deutschen Freunde mit den Sitten Malawis vertraut machen.

Von Alexander Lechler

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