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Wenn Gedanken sichtbar werden

„Künstler und ihre Ateliers“ Wenn Gedanken sichtbar werden

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Maki Hussein Maki.

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Maki Hussein Maki stammt aus dem Irak. In seine Skulpturen fließen politische Themen – Krieg und Zerstörung – aber auch menschliche Momente ein.

Quelle: Heller

Göttingen. An zwei Wänden reihen sich Bronzeskulpturen im Atelier von Maki Hussein Maki im Hagenweg.

Bemerkenswerte Arbeiten, die mit ihrer Ästhetik den Blick auf sich ziehen. In dem etwa 40 Quadratmeter großen Raum sieht es sehr konzentriert nach Arbeit aus. Ein langer Arbeitsprozess mit vielen Schritten ist notwendig, um eine neue Skulptur entstehen zu lassen.

Ein künstlerischer Prozess, der Gedanken, Kontraste und Harmonie, das Verhältnis von Zartheit und Stärke, von Dynamik, Spannung und Bewegung in Form gießt – und der auch viel handwerkliches Können und räumliches Vorstellungsvermögen erfordert.

Auf einem Arbeitstisch entsteht gerade der Entwurf einer in Knete mit Modellierhölzern geformten Arbeit. Daneben hängen fein säuberlich mit Bleistift erstellte Skizzen aus verschiedenen Perspektiven. Neben einer Sitzecke ist ein Zeichentisch platziert. Hinter einem Regal mit Formen und Skulpturen stehen Gips, Reliefgießmasse und eine kleine Wanne zum Anrühren von Formmasse bereit. Auf einem Arbeitstisch sind Negativformen abgelegt.

Seit 21 Jahren lebt Maki Hussein Maki in Deutschland, seit 1995 in Göttingen. Vor 15 Jahren hat er das Atelier bezogen. Der 68-jährige Iraker blickt auf einen langen und bewegten Weg zurück. 1947 in Basrah im Südirak geboren, absolvierte er 1968 ein Bildhauerstudium am Kunstinstitut Bagdad.

Eine Flucht aus politischen Gründen folgte, Partisanenkämpfe, sechs Jahre Leben im Versteck, danach war er neun Jahre in verschiedenen Ländern unterwegs. „Ich habe 15 Jahre verloren und keine Skulpturen gemacht“, bilanziert Maki spürbar traurig. Auch die aktuelle Situation im Irak beschäftigt ihn sichtlich. Und so sind thematisch neben Umwelt und menschlichen Momenten auch Krieg und Zerstörung in seinen etwa 35 bis 50 Zentimeter hohen Skulpturen zu finden.

Ideen kommen Maki in Gesprächen, beim Beobachten von Menschen auf der Straße oder durch Nachrichtenmeldungen. „Ich versuche, meine Gedanken sichtbar zu machen und in eine Skulptur zu bringen“, sagt der Bildhauer, der seit nunmehr vier Jahrzehnten mit Bronze arbeitet.

„Der Rahmen ist mein Charakter, mein Stil seit 40 Jahren.“ Daneben sind auch vermehrt Objekte wie Strickleitern, Kugeln und schwebende Bänke in seinen Arbeiten eingesetzt. „Wichtig ist mir, eine Lösung für jedes Thema zu finden.“ Aber auch die Schönheit der Komposition gehört zu seinem Anspruch.

„Jede Skulptur braucht einen Plan. Und eine Skulptur braucht viel Zeit von der Skizze bis zur fertigen Bronze“, sagt der Künstler. „Viel Zeit, viel Arbeit und viele Kosten.“ Ein Modell aus Ton oder Knete, eine Negativform aus Silikon gehören zum Procedere und schließlich zwei Besuche bei einer renommierten Kunstgießerei in Süddeutschland, wo erst eine Wachs-Positivform und nach einer Retusche die Bronze gegossen wird. Und für seine Skulpturen versucht Maki dann auch, jeweils „die passende Farbe“ zu finden. Auch der Medienpreis „Bambi“ wird jedes Jahr hier gegossen.

„Ich würde eigentlich auch gerne mal groß arbeiten. Aber realistisch betrachtet wird es wohl bei kleinen Arbeiten bleiben“, sagt Maki Hussein Maki. Im Irak habe er schon Skulpturen im Zwei-Meter-Format gefertigt. Und weil seine letzten Schauen schon Jahrzehnte zurückliegen, könne er sich auch jetzt vorstellen, seine Arbeiten in einer Ausstellung zu zeigen.

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