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„Wenn Männer zu sehr 40 werden“

Kabarett mit Peter Vollmer „Wenn Männer zu sehr 40 werden“

Neu ist das alles nicht gewesen, was der Kabarettist Peter Vollmer am Sonnabend in sein Programm „Wenn Männer zu sehr 40 werden“ genommen hat. „Best of“ hat er es überschrieben. Ein netter Euphemismus. „Angestaubt“ würde besser passen. Er hat jetzt im Göttinger Apex viel über den Fitnesswahn, Emanzipation und den eigene Körper gesprochen: typische Themen des Kabaretts eben, nur leider sehr vorhersehbar.

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Oft vorhersehbar: Peter Vollmer und seine Gags.

Quelle: Vetter

So erzählt er beispielsweise, dass er kein Anhänger von Nordic-Walking ist, sondern eher die „Aging-Sportarten“ präferiere: „Smoking und Drinking. Eine Stunde leben, fünf Stunden altern“. Man erwartet eigentlich einen karnevalesken Tusch am Ende des flauen Gags.

Regelrecht peinlich wird es, wenn sich Vollmer im schicken Dreiteiler eine bunte Rastafari-Mütze überzieht und als „Rastaman“ im schlecht imitierten Jamaika-Akzent deutsch und englisch vermischt. „You get spitz wie nachbars lumpi“, sagt er dann oder: „You get ohrenkrebs“.

Generell sollte er seine politischen Teile auch einmal aktualisieren: Da hieß der Ehemann, zu Hause zum Repräsentieren verdammt, immer noch Stubenköhler statt Stubenwulff. So etwas darf im Kabarett einfach nicht passieren. Vollmer reservierte für die Politik sowieso nur Allgemeinplätze: Angela Merkel sei nichts anderes als Harpe Kerkeling mit Perücke und Guido Westerwelle sei in der Politik-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ für die schlechten Zeiten zuständig. Gähn.

Selten bricht er aus diesem „Ist irgendwie schon da gewesen“-Gefühl aus und wird dann aber richtig gut. Denn Vollmer hat eine sehr angenehme Vortragsart. Wie die Unschuld vom Lande steht er mit einem ironischen Lächeln auf der Bühne und haut dann seinen schwarzen Humor heraus. „Früher gab es ja nichts: kein Internet, kein Handy.“, sagt er dann und grinst. „Manchmal denke ich: Moment Mal, war ich ein Ossi?“ Warum nicht mehr davon?

Stattdessen holt er öfter seine Gitarre hervor und lässt das Publikum zu dessen großer Freude zu Randfichten-Melodien „Lebt denn der alte Herzmuskel noch?“ mitsingen. Rauschender Beifall.

Von Florian Heinz

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