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Wenn Musik in lichten Höhen schwebt

Saisonstart des Göttinger Symphonie Orchesters Wenn Musik in lichten Höhen schwebt

Mit einer Uraufführung wird nicht alle Tage eine Konzertsaison eröffnet. Die „Sinfonia ultima“ stand am Anfang des ersten Konzerts der Großen Reihe des GSO.

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Ausflug ins spätromantische Fach: Simone Kermes und Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Heller

Ein temperamentvolles, kontrastreiches Werk. Die fünf knappen Sätze der „Sinfonia ultima“, die der Düsseldorfer Komponist Jürg Baur nicht lange vor seinem Tod im Frühjahr 2010 für das Göttinger Symphonie Orchester geschrieben hatte, zeigen eindrucksvoll, wie munter auch bei einem 90-Jährigen noch der Schaffensstrom sprudeln konnte – in einer hier und da herben, aber eingängigen Tonsprache, die ihre Botschaft dem Hörer ganz selbstverständlich vermittelt. Der lebhafte Beifall bewies, dass diese Botschaft beim Publikum angekommen ist.

Ein weiteres Spätwerk stand im Zentrum des Abends in der nicht ganz ausverkauften Göttinger Stadthalle: die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss, die der Komponist als 84-Jähriger ein Jahr vor seinem Tod 1949 geschrieben hat. Hier ist tatsächlich der Ton des Abschiednehmens auskomponiert, nicht der Resignation oder Trauer, sondern des abgeklärten Friedens. Das macht diese Lieder – die Texte stammen von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff – ganz besonders anrührend. Sie scheinen unbeeinflusst von der Schwerkraft, die Musik schwebt in lichten Höhen, zu denen Jüngeren der Zugang noch verwehrt ist.

Diese Strauss-Lieder gehören nicht unbedingt zum Kernrepertoire der (Koloratur-)Sopranistin Simone Kermes, die vor allem mit barocken Arien und Mozart-Partien, aber auch mit zeitgenössischer Musik hervortritt. Und so klingt diese Musik bei ihr auch etwas ungewohnt – nicht so weit dahinströmend, wofür etwa Jessye Norman stehen kann, sondern linealischer und kühler im Ton, in den tieferen Lagen – dem Stimmfach entsprechend – auch nicht so vollklingend. Doch der inneren Leichtigkeit der Musik tut das durchaus gut, die Spitzentöne sind angenehm schlank, die vokale Zeichnung wirkt sehr transparent.
Dirigent Christoph-Mathias Mueller ließ mit seinem Orchester die reiche Klangfarbenpalette intensiv leuchten. Hier und da hätte vielleicht der Orchesterpart noch stärker zurückgenommen werden können, aber die Balance war fast durchweg gewahrt.

Mit Robert Schumanns vierter Symphonie in der Fassung von 1851 ging dieser spannende Konzertabend zu Ende. Mueller schürte das dramatische Feuer, ließ den lyrischen Momenten genügend Raum, sich in Ruhe zu entfalten, und sorgte für spannungsreiche Kontraste. Die Musiker, die auch schon in der Baur-Sinfonia und in den Strauss-Liedern neben hoher Konzentration und technischer Präzision große Ausdrucksvielfalt gezeigt hatten, ließen auch in zahlreichen solistischen Aufgaben ihre musikalische Kompetenz erkennen. Der Schlussbeifall entlud sich nach dem Schumann-Finale mit großer Vehemenz.

Von Michael Schäfer

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