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Wenn die Schrankwand umstürzt

Kunst von Busch und Kutter Wenn die Schrankwand umstürzt

In den zwei Räumen im Cheltenham-House, die schon so lange leer stehen, dass kaum jemand sich daran erinnert, was einmal dort untergebracht gewesen sein mag, hat die Galerie Apex die Ausstellung „bis auf weiteres …“ von Astrid Busch und Susanne Kutter eröffnet.

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Wankendes Interieur: Videoarbeit von Susanne Kutter.

Quelle: CR

Kein Zeichen, kein Schild verweist auf die Räume, an deren Glasscheiben große Platten gelehnt sind, so dass kein Licht eintreten kann. Im dunklen Innenraum verzahnen sich die Wandarbeiten, Projektionen und Installationen der beiden Berliner Künstlerinnen.

Kutter bringt zwei Raumformate mit in die kargen Räumlichkeiten. Kleine, beleuchtete Kartons auf Augenhöhe bergen zwergenhafte und zugleich minimale Interieurs: geweißelte Wände, eine Leuchtstoffröhre, ein Lüftungsschacht oder ein Anschluss. Darin ein überdimensioniertes Insekt, kafkaesker Käfer oder schmaler, schöner Schmetterling. Ihre demgegenüber sehr große Videoarbeit „Moving Day“ von 2001 zeigt ein Wohnzimmer, in dem die Dinge scheinbar ohne Anstoß ins Wanken geraten, klappern, kippen und wo schließlich sogar der Wandschrank umstürzt. Die Bedeutung und zugleich die größte Relativität des eigenen Standpunktes wird von Kutter angenehm deutlich hervorgehoben.

Beide Künstlerinnen beziehen sich auf den Raum, wie auch Kuratorin Sabrina Hoff mit Verweis auf Michel Foucaults frühen Begriff der „Heterotopien“ in ihrer Einführung herausstellte.

Die Sperrholz- und MDF-Platten Buschs dämmen nicht nur den Raum ab und geben den Ausstellungsräumen den verrammelten Charakter, eine kleinere Tafel lehnt beiläufig an der Wand. Das aufgezogene Foto zeigt den Blick durch eine zerborstene Gipskartonwand in einem lange leerstehenden Haus. Möbel, Stoffe, Liegengebliebenes und Aufgeplatztes sind zu sehen. An der gegenüberliegenden Wand ist eine vornehmlich düstere Fototapete aufgebracht, ein Videoloop zeigt den Blick in einen weiteren Raum, seine Pflanzkübel, Licht- und Schattenspiele sind zu sehen. Das Erkennen tritt hier und da ein, um gleich darauf wieder zurückzutreten, die Narration wird verneint, manches bleibt im Halbdunkel verborgen.

Die Ausstellung ist bis zum 26. März mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr im Cheltenham-House, Friedrichstraße 1 in Göttingen, zu sehen.

Von Tina Lüers

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