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Wenn die Welt zusammenfällt

"Zeit der Kannibalen" im Theater im OP Wenn die Welt zusammenfällt

„Not macht erfinderisch“, sagt Regisseur Joe Pfändner. Im Theater im OP (ThOP) wird noch gebaut. Also hat Pfändner sich ein Kammerspiel und ein erfahrenes Schauspielteam gesucht und ist in einen Raum gegenüber dem ThOP gezogen. Am Freitagabend hatte dort „Zeit der Kannibalen“ Premiere.

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Im Stress: März (Wiebke Schäfer), Öllers (Peter Schubert, Mitte) und Niederländer (René Anders).

Quelle: Opitz

Göttingen. Dem Bühnenstück liegt ein gleichnamiger Film zugrunde, den Johannes Naber 2014 drehte und der eine Reihe von Preisen gewann. Frank Öllers und Kai Niederländer sind zwei Unternehmensberater, die durch die Welt jetten. Ihr Auftrag: möglichst viel Gewinn aus Firmen pressen.

 

Ihre Geschäfte wickeln sie in Hotels ab, vor die Tür kommen sie nie. Beide sind Zyniker, eine Grundvoraussetzung für ihren Job. Öllers streitet am Telefon ständig mit seiner Frau und hat Sex gegen Geld mit Zimmermädchen. Niederländer demütigt Hotelangestellte.  Dann kommt Bianca März dazu. Sie ersetzt den Teamkollegen Heiliger, der überraschend zum Partner in der Company ernannt wurde. Auch März ist natürlich knallharte Firmensaniererin. Doch anders als ihre Kollegen scheint sie sich zumindest ein wenig für das zu interessieren, was sich außerhalb der Hotels zuträgt.  

 

Alle drei haben sich in einer (erfolg)reichen Welt eingerichtet, die plötzlich mit großem Getöse in sich zusammenkracht. Und die Theaterbesucher sitzen diesmal mittendrin.  Rund 25 Zuschauer passen in das kleine Zimmer, ein Wegducken ist hier nicht möglich. Also begleiten sie Peter Schubert als Öllers, René Anders als Kai Niederländer und Wiebke Schäfer als März auf ihrem Selbstzerfleischungskurs. Alle drei bringen viel Bühnenerfahrung aus dem  studentischen ThOP mit. Sie duellieren sich souverän mit dem notwendigen Maß an Skrupellosigkeit. Einen kleinen Auftritt hat auch Pfändner mit einem eingespielten Film als neuer Boss der Company. Als Regisseur hat er Stoff, Raum und Schauspieler im Griff. Über rund 75 Minuten breitet das ThOP-Team diese bitterböse Kapitalismus-Satire genüsslich und kraftvoll aus.  Zahlreiche weitere Vorstellungen bis zum 19. Dezember. Beginn ist immer um 20.15 Uhr. Kartentelefon: 0551/397077.

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