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Werke von Alfred Pohl in der Torhaus-Galerie

Keine Wunderwesen Werke von Alfred Pohl in der Torhaus-Galerie

Eine Erinnerung an die toskanische Stadt Siena könnte vieles beinhalten. Die berühmten Piazza del Campo mit dem zweimal jährlich darauf stattfindenden Pferderennen, die beeindruckende Architektur des Doms oder die historische Altstadt, die nicht von ungefähr seit den 90er Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

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Modern: Engel von Alfred Pohl.

Quelle: Heller

Göttingen. Ein Bild mit dem Titel „Erinnerung an Siena“ des Künstlers Alfred Pohl zeigt aber etwas ganz anderes: einen Engel, der eine Kerze in die Dunkelheit trägt. Die Torhaus-Galerie stellt zur Zeit einige Arbeiten des Künstlers, der seit 1974 in Göttingen lebt, aus. „Himmelsboten“ lautet der Titel der Ausstellung, was treffend das vorherrschende Motiv beschreibt. Die Bilder, alle in der Technik des Holzschnittes gefertigt, zeigen Engel in unterschiedlichen Kompositionen, mal klassisch segnend, mal ungewöhnlich menschennah tanzend. Die Vernissage ist außergewöhnlich gut besucht. Die Galerieräume sind so voll, dass es nur mit Mühe gelingt, überhaupt zu den Bildern durchzudringen.

Viele der Engelbilder tragen Ortsnamen. Es sind diejenigen Orte, an denen Pohl diese Engel gesehen hat, an Kirchen oder Klostergebäuden. Neben Siena sind auch deutsche Orte wie Wismar, Hildesheim oder Hameln zu lesen.
Vielleicht macht gerade diese Ortsgebundenheit das Besondere an den Engelbildern von Pohl aus. Sie haben Vorbilder in Kirchen, Pohl nennt sie Erinnerungen. Aber Bildnisse an Kirchen haben immer auch etwas Trennendes. Man begegnet ihnen nur in einem speziellem Rahmen, in imposanten Räumen und feierlicher Atmosphäre. Das heißt aber auch, sie bleiben in abgeschlossenen Räumen, fern der Alltagswelt. Genau da setzt Pohl an – seine Engel wirken weiter, bis in die private Wirklichkeit hinein.

Pohls Bilder zeigen die Engel nicht in einer herausragenden Position, nicht verkitscht sondern sehr modern. Sie stecken in einfachen Aluminiumrahmen und präsentieren keine einschüchternden Wunderwesen. Als Holzschnitt haben die Bilder nicht einmal einen Anspruch auf Einmaligkeit. Natürlich ist jedes Bild ein Unikat. Gleichwohl hat jedes einen ähnlichen Gefährten. Es sind keine Bilder, die man anbeten würde. Aber welche, die einige in ihr Wohnzimmer hängen würden, weil sie sie gerne um sich haben.

Natürlich stellt sich bei Bildern von Engeln auch die Frage nach einer religiösen Nachricht. Pohls Bilder stehen ganz sicher dafür, dass der Glaube nicht nur in der Kirche stattfindet, sondern erst im Privaten seine volle Kraft entfaltet. Die herausragende Kunstfertigkeit, mit der Pohl seine Bilder konstruiert, macht es aber auch dem nichtreligiösen Betrachter möglich, das Besondere in seiner Kunst zu entdecken. Die Engel des Holzschneiders sind auch unter ästhetischen Gesichtspunkten eine lohnende Erscheinung.

Von Daniela Lottmann

Die Ausstellung „Himmelsboten“ in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1, ist bis Sonntag, 1. Dezember, freitags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr, geöffnet.
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