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Werke von Enrique Rottenberg ab Juli in der Kunsthalle HGN

„Meine Inspiration ist Kuba“ Werke von Enrique Rottenberg ab Juli in der Kunsthalle HGN

Die ersten Bilder hängen bereits in der Kunsthalle HGN, eine riesige Grafik verrät zudem den Namen der kommenden Schau: „Utopia“. Enrique Rottenberg stellt von Sonnabend, 4. Juli, an in der Kunsthalle, Karl-Wüstefeld-Weg, aus.

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Quelle: Kunsthalle HGN

Duderstadt. Knallgrüne, überdimensionale Lettern schreien förmlich heraus, womit sich Rottenberg in seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland beschäftigt: In Großbuchstaben scheint er den Beginn eines neuen Zeitalters herbeirufen zu wollen. Der Künstler selbst flüstert eher eine Sehnsucht hervor, wenn er sagt: „Alle Menschen sollten glücklich sein“, er wünsche sich eine Insel wie sie Thomas Morus beschrieben habe, als Hort der Geborgenheit. Glücklichsein habe bei ihm viel mit Gleichsein zu tun, mit dem Wert des Menschen  an sich, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Aussehen oder seiner Religion, erklärt Rottenberg.

So findet sich auf einer der Wände die großformatige Fotografie einer Reihe von Frauen, die sich – nackt  – jeweils einen Arm auf die Schulter legen. Einige sind jung, andere alt, einige schwarz, andere weiß, einige schlank, andere dick. Alle sind sie Nachbarinnen des Künstlers, der seit mehr als zwei Jahrzehnten auf Kuba liegt. Alle hätten sie gern und freiwillig Modell gestanden. „Kubanische Frauen haben keine Probleme, ihren Körper zu zeigen“, glaubt Rottenberg. Eine ähnliche Erfahrung habe er bei der Arbeit an einer Bilderreihe gemacht, die bei „Close-up Cuba“ zu sehen war. Darin zeigte er Fotografien von nackten Menschen in ihren Schlafzimmern. „Ich habe geklopft und gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Niemand sagte nein.“

In anderen Ländern der Welt sei dies vermutlich nicht so einfach möglich, glaubt er. Dennoch sei „Utopia“ keine Kuba-Ausstellung: „Meine Inspiration ist Kuba, aber mein Thema ist ein globales“, erklärt er. Dieselbe Idee in anderen Ländern umgesetzt, hätte vielleicht andere Körper gezeigt, aber ein ähnliches Gesamtbild.

Durch die gleichförmige Darstellung der Menschen in strengen Reihen lenkt Rottenberg den Blick auf die Schönheit des Einzelnen – und wenn die Individualität allein in der Farbe des Nagellacks besteht, wie in der rund 25 Meter langen Fotografie von 50 gebückt laufenden Frauen unter einer Schlangenhaut. „Ein Tausendfüßler“, sagt er.

Rottenbergs Bilder sind bewusst großformatig gehalten. Der Künstler sieht darin eine Form der Freiheit, die er sich im Film, mit dem er sich zuvor beschäftigt hatte, nie habe verwirklichen können. „Meine Bilder hängt sich niemand ins Wohnzimmer.“ Damit sei er unabhängig vom Druck, finanziell erfolgreich zu sein. In der Filmindustrie sei das mit wachsender Bekanntheit nicht mehr möglich gewesen. Rottenberg wurde sieben Mal von der Israeli Film Academy ausgezeichnet und vertrat 1994 Israel bei den Oscars.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rottenberg seinen Lebensmittelpunkt bereits nach Kuba verlagert und seine Kunst auf die Fotografie konzentriert. Seine Werke jetzt erstmals in einer Ausstellung in Deutschland zeigen zu können, sei sein persönliches „Utopia“. „Deutschland ist das kulturelle Zentrum Europas“, glaubt er. Und Duderstadt wird vom 4. Juli an das Zentrum seiner Kunst sein.

Enrique Rottenberg ...
... ist 1948 als Sohn polnischer Eltern in Argentinien geboren. Mit 13 Jahren floh er allein nach Israel. Neben seinen Tätigkeiten als Regisseur, Drehbuchautor und Filmemacher arbeitete er unter anderem als Immobilienmakler. Seit 1993 beschäftigt er sich – heute in Havanna lebend – überwiegend mit Fotografie. Einige seiner Arbeiten waren 2014 bereits in Duderstadt zu sehen.
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