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Wie der Flug einer Hexe auf ihrem Besen

Göttinger Aulakonzerte Wie der Flug einer Hexe auf ihrem Besen

Ein Notenständer steht mitten in der Aula der Universität. Das ist in diesen sonst so wohlgeordneten Räumen ungewöhnlich.

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An wechselnden Orten in der Uniaula: Sängerin Sun mit dem Minguet-Quartett.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Aber man ist auf Ungewöhnliches gefasst, lautet das Motto des neuen Konzertzyklus der Göttinger Kammermusikgesellschaft doch „Ausbrüche – Aufbrüche“ und widmet sich Kompositionen, die Neues wagen, Gattungen sprengen, Hörgewohnheiten durchbrechen. Christian Münchs „… die Hexe, die ich meine , lacht?“ überrascht nicht nur musikalisch sondern auch durch die Mobilität der Sängerin (Sarah Maria Sun), die nach jeder Strophe ihre Position ändert und auch – hexengleich – die luftigen Höhen der Empore nicht auslässt.

Die von Sun dargebotenen Auszüge aus Georg Christoph Lichtenbergs Gedicht werden begleitet durch das Minguet-Quartett (Gewinner des Echo Klassik 2010), hier aufgeteilt in Geige und Trio. Mit großer Präzision interpretieren Ulrich Isfort (Violine), Annette Reisinger (Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Cello) Münchs technisch anspruchsvolles und keinesfalls gefälliges Werk, das abgehakt, zuweilen holprig daherkommt und sich vielfach in schrillen Flageolett-Höhen bewegt. Man könnte meinen, man höre den Flug der Hexe auf ihrem Besen. Die Komposition entstand aus Anlass des 275-jährigen Universitätsjubiläums und ist ein Kompositionsauftrag der Kammermusikgesellschaft.

Wohl jeder im Publikum hatte Verständnis für die veränderte Reihenfolge im Programm: „Wir brauchen nach der Uraufführung einfach die Pause zur Muskelentspannung“, so Cellist Diener zu Beginn des Konzerts, das mit Arnold Schönbergs zweitem Streichquartett op. 10 begann. Obgleich dieses ebenfalls einen höchst innovativen Charakter hat, wirkte es im Vergleich zur aufsehenerregenden Uraufführung fast klassisch. Satz drei und vier verarbeiten Stefan Georges Gedichte „Litanei“ und „Entrückung“.

In Schönbergs Vertonung verschmelzen und ergänzen sich Musik und Sprache auf vollkommene Weise, entfaltet sich Suns Sopran meisterlich. „Ich fühle Luft von anderem Planeten“, heißt es bei George und so wird es musikalisch umgesetzt: Entrückte Klänge, wie aus einer anderen Welt füllen den Raum. In der Literatur wurde dieser vierte Satz oft als Aufbruch in die Atonalität interpretiert.

Brahms „Ophelia-Lieder“ und das Streichquartett c-Moll besänftigen dann die Ohren und Gemüter. Die Romanze, der zweite Satz des Streichquartetts, ist dann das große Finale für das Minguet-Quartett. Soviel mit Spielfreude versehenes Können – trotz eines wahren Marathonprogramms – sieht man gern.

Von Marie Varela

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