Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Wie im spätmittelalterlichen Göttingen

Motette in St. Johannis Wie im spätmittelalterlichen Göttingen

Mit einer geistlich-musikalischen Besonderheit wartete die St. Johannis-Kirche für die Motette am Sonnabend auf.

Voriger Artikel
Wie Mann sich die Welt der Frauen vorstellt
Nächster Artikel
Humoristische Brillanz

St.Johanniskirche

Quelle: Vetter

Gregorianische Gesänge aus dem St. Johannis-Missale und zeitgenössische Musik erklangen und machten lebendig, wie sich ein Gottesdienst im 14. Jahrhundert in der Göttinger Innenstadtkirche angehört haben mag.

Die Choralschola „cantando praedicare“ hatte die Mess-Gesänge für das Geburtsfest des Namenspatrons von St. Johannis, der eigentlich am 24. Juni gefeiert wird, einstudiert. Anders als in vielen Gregorianik-Konzerten gab es hier die Gesänge vollständig und in der typischen Reihung zu hören. Die Pergamenthandschrift des Johannis-Missale, das eine der Kostbarkeiten im Göttinger Stadtarchiv ist, bildete die textliche und melodische Grundlage für die Stücke. In Solo-Partien, Wechselgesängen und gemeinsamen Passagen der neunköpfigen Schola unter Leitung von Johanna Grüger zeigte das Ensemble die Kombination von Dynamik und meditativer Ruhe, die den gregorianischen Gesängen eigen ist.

Um den musikalischen Gesamteindruck einer Messe zu komplettieren, ergänzte des auf alte Musik spezialisierte Leipziger Ensemble „Aeolos“ die Gesänge um festliche Instrumentalstücke, etwa Prozessionsmusik zum Ein- und Auszug oder eine instrumentale Wiederaufnahme der Kyrie-Rufe. Anders als heute spielte im 14. Jahrhundert die Kirchenmusik nicht auf der Orgel sondern bestand aus verschiedenen Blasinstrumenten, von denen die Aeolos-Mitglieder einige präsentierten. Ihr fanfaren- und dudelsackähnlicher Ton bildete als klanglicher Kontrast zu den schlichten Gesängen eine interessante Ergänzung.

Beide Ensembles überzeugten durch hohe Präzision, fundierte Kenntnisse der zeitgenössischen Arrangements und eine unaufdringliche aber eindringliche Darbietung der Johannis-Messe. Wer die Augen schloss, mag sich wirklich für einige Augenblicke ins spätmittelalterliche Göttingen versetzt und mit der damaligen Gemeinde mitgehört und mitgefühlt haben.

Von Isabel Trzeciok

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag