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„Wiener Klassik“ mit Frank Bungarten

Göttinger Symphonieorchester „Wiener Klassik“ mit Frank Bungarten

Zwei einsame Geiger spielen die letzten Töne: Mit Haydns „Abschiedssymphonie“ ist am Donnerstag in der Aula der Universität die Reihe „Wiener Klassik“ des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) zu Ende gegangen. Solist war der Gitarrist Frank Bungarten, Gastdirigentin die Litauerin Giedrė Šlekytė.

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Frank Bungarten

Quelle: Schäfer

Göttingen. An Raritäten ist diese GSO-Reihe immer besonders reich gewesen. Gleich der Einstieg in den Abend – informativ moderiert von dem Musikwissenschaftler Andreas Waczkat – war eine solche Seltenheit: die Ouvertüre zur Oper „Andromeda“ von Joseph Elsner.

Sieg mit Triumphmarsch

Der Name des Musikers taucht sonst nur in der Biografie Chopins auf: Elsner war dessen erster Lehrer. Dass er darüber hinaus ein solider Komponist war, bewies diese Ouvertüre nachdrücklich. Von Kampf und Sieg mit kleinem Triumphmarsch war da musikalisch die Rede, von der Gastdirigentin mit viel Sinn für wirkungsvolle Kontrastwirkungen präsentiert.

Seltenheit Nummer zwei: das Gitarrenkonzert F-Dur von Mauro Giuliani. Es ist so gut wie nie zu hören, weil es ein außergewöhnliches Soloinstrument verlangt, die sogenannte Terzgitarre, die höher und heller klingt als die übliche klassische Gitarre.

Solist Frank Bungarten hatte den Nachbau einer Terzgitarre von 1847 mitgebracht, ein Instrument, bei dem Decke und Hals aus einem Stück gefertigt sind und das neben den sechs üblichen Spielsaiten noch eine Reihe bundfreier, tief gestimmter Saiten besitzt.

Bungarten ist einer der führenden Gitarristen Deutschlands. Diesen Ruf bestätigte er mit seinem auch in den virtuosesten Partien meisterlich souveränen Spiel, bei dem keinerlei technisches Nebengeräusch zu hören ist. Darüber hinaus verfügt er über fein differenzierte Klangfarben, einen mitreißenden Schwung, mit dem er das tänzerische Polonaisen-Finale belebte.

Maßvolles Zusammenspiel

Die Balance zwischen Solo und Tutti ist hier bei diesem Instrument heikel. Deshalb achtete Šlekytė sorgfältig darauf, dass das Orchester die – maßvoll verstärkte – Gitarre nicht übertönte. Für diesen Beitrag klatschten die Zuhörer in der sehr gut besuchten Aula besonders ausgiebig.

Musikalisch am gewichtigsten war das Schlussstück des Abends, Haydns „Abschiedssymphonie“. Hier war auch am ehesten Gelegenheit, die Eigenarten der jungen Dirigentin (Jahrgang 1989) kennenzulernen. Šlekytė nimmt es genau mit dynamischen Kontrasten, formt kleine Details liebevoll aus, wobei ihr allerdings hier und da der Blick für größere Entwicklungen verlorengeht. Bei einigen zu lauten Begleitfiguren hätte sie auch dämpfend eingreifen können. Doch animierte sie die GSO-Musiker erfolgreich zu lebendigem, ausdrucksstarkem Spiel. Ein spannender Abend.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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