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Wiener Minetti-Quartett eröffnet Göttinger Aulakonzerte

Motto „Lebensläufe – Werkgeschichten“ Wiener Minetti-Quartett eröffnet Göttinger Aulakonzerte

Die Gedenktage liegen nicht weit zurück: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg vor 75 Jahren. Beide Kriege mit den Vertreibungen und Verfolgungen in ihrem Umfeld haben erhebliche Auswirkungen auch in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts hinterlassen.

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Minetti-Quartett: Maria Ehmer, Anna Knopp, Milan Milojicic und Leonhard Roczek (von links).

Quelle: Schäfer

Göttingen. Darum geht es in der neuen Saison der Aulakonzerte unter dem Motto „Lebensläufe – Werkgeschichten“, die am Sonntag mit einem Abend des Wiener Minetti-Quartetts begonnen hat.

Eigens für dieses Gastspiel hatten die Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp, der Bratscher Milan Milojicic und der Cellist Leonhard Roczek das vierte Streichquartett von Alexander von Zemlinsky einstudiert. Das 1936 kurz nach dem Tod Alban Bergs entstandene Werk wurde erst 1967 uraufgeführt.

Denn Zemlinsky, der Lehrer Schönbergs, war jahrzehntelang vergessen. Er starb, nachdem er Österreich 1938 hatte verlassen müssen, 1942 im amerikanischen Exil. Erst in den späten 1960er-Jahren wurde sein Werk wiederentdeckt.

Bis zu dramatischen Explosionen

Das Zemlinsky-Quartett, an Bergs Lyrischer Suite orientiert, ist ein faszinierendes, gestaltenreiches Werk. Die Ausdrucksqualitäten reichen von Trauer und Verzweiflung bis zu jagender Unrast, von lyrischer Tiefe bis zu dramatischen Explosionen. Sie wurden von den Musikern mit einer aufwühlenden Intensität nachgezeichnet, die man nicht oft im Konzertsaal erleben kann.

Dabei war ihr Zusammenspiel aufs Feinste ausbalanciert, auch kleinste Rubati waren immer synchron, und dem Prestissimo in der abschließenden Doppelfuge schienen keinerlei technische Grenzen gesetzt zu sein.

Dieses zentrale Werk umrahmten die Musiker mit zwei Schubert-Quartetten: dem heiter-unterhaltsamen B-Dur-Quartett des 15-Jährigen aus dem Jahr 1812 und dem reifen d-Moll-Quartett „Der Tod und das Mädchen“.

Jugendfrischer Übermut

Das war abermals Quartettkunst in Vollendung. Der jugendfrische Übermut des frühen Quartetts wurde von den vier Musikern zu sprühendem Leben erweckt. Und die wunderbar abgeklärte, immer wieder auch todesnahe musikalische Sprache des d-Moll-Quartetts ihren dramatischen Ausbrüchen und himmlisch strömenden Melodien klang, als sei es das eigene Idiom der vier Musiker auf dem Podium.

Die verzierenden Umspielun­gen der ersten Violine in höchster Lage hatten etwas vom sommerlichen Gesang einer Lerche. Dass das Quartett die Liedmelodie „Der Tod und das Mädchen“ nach dem angemessen fahlen Beginn eine Passage lang unerwartet warm aufblühen ließ, um anschließend wieder in den anfänglichen Ton umzuschwenken, intensivierte den Ausdruck auf eindrucksvolle Weise.

Die Zuhörer in der gut besuchten Universitätsaula klatschten begeistert und ausdauernd. Dass die Gäste auf dem Podium auf Schuberts d-Moll-Quartett keine Zugabe folgen lassen mochten, ist nachvollziehbar.

Von Michael Schäfer

Beim zweiten Konzert der Reihe gastiert ein Klaviertrio in der Aula am Wilhelmsplatz. Hagai Shaham, Arnon Erez und Raphael Wallfisch spielen unter anderem Mendelssohns Klaviertrio Nr. 2 c-Moll op. 66.
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