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Will Wilde im Göttinger Apex

Erste Liebe Blues Will Wilde im Göttinger Apex

Thomas Ruf vom Lable „Ruf Records“ nannte ihn den „Hendrix der Mundharmonika“. Traditioneller Chicago-Blues ist die Grundlage seiner Musik, eindrucksvoll dokumentiert auf Wildes 2015 aufgenommenen Album „Live in Hamburg“. Dies brachte er nun mit seiner Band auch auf die Bühne des gut gefüllten Apex.

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Brillante Instrumentalisten: Will Wilde an der Mundharmonika und Gitarrist Danny Giles.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Bei seiner Liebe zum Blues sei er durch seinen Vater inspiriert worden, der Bluesmusik stets und überall gehört habe, erzählt Wilde. Im Alter von 16 Jahren habe er dann die Mundharmonika für sich entdeckt.

Mit Wucht legen Danny Giles (E-Gitarre) Jon Chase (Bass) und Alan Taylor (Drums), mit „Jealous Woman“ gleich einen stampfenden Bluesrock hin. Wilde ist gerade Mitte Zwanzig, aber seine Stimme klingt reif, rau und soulig. Und schon mit den ersten Tönen wird deutlich, wie intensiv der Sänger und Songschreiber aus Brighton die Bluesharp spielen kann.

Im Laufe des Konzertes entlockt er dem kleinen Instrument eine schier unerschöpfliche Fülle an Klangspektren. Dabei spielt er meist mit geschlossenen Augen und sein Körper windet sich im Takt der Musik. Aber Wilde ist nicht nur ein begnadeter Mundharmonikaspieler.

Er schreibt auch viele seiner Songs selbst. Diese drehen sich um die für den Blues charakteristischen Themen wie Liebe, Enttäuschung oder Einsamkeit wie auch Selbsterlebtes. „Paranoia“, ein cooler Blues mit ausgedehnt-intensivem Harmonika-Solo, handelt von einem Freund, der nach zu viel Marihuana-Konsum paranoid geworden ist. „Blues is my first love“ mit dem Zusatz „you come second babe“ ist ein klares Statement für seine Musik.

In dem Stück demonstriert die Band eindrucksvoll, dass sie auch leisere Töne beherrscht. Wilde entlockt seiner Harp faszinierend flirrende Klänge und bewegt sich dabei durch das Publikum. Zu „The Girl I Love“ greift er auch zur E-Gitarre und liefert sich ein fesselndes Duell mit Giles. Überhaupt Giles: Was dieser korpulente Gitarrist im Laufe des Konzertes mal eben an Gitarrenklängen so aus seinem Instrument zaubert, ist großartig.

Glanzlicht des Abends ist ihre Fassung von Johnny Guitar Watsons „Three Hours Past Midnight“, ein ausufernd-sphärischer Blues, den Giles auch singt. Wilde wie auch Giles geben im Wechsel noch mal eine mitreißende Vorstellung aller Facetten ihres Könnens. Als Zugabe gibt es dann für das restlos begeisterte Publikum den Canned-Heat-Klassiker „On The Road Again“.

Ein furioser Auftritt mit Nachhall und dem Beleg, dass das Apex auch Bluesatmosphäre schaffen kann, die sonst eher in verrauchten Kellerclubs wie dem ehemaligen Blue Note zu Hause war.

Von Jörg Linhoff

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