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Wingenfelder im ausverkauften Nörgelbuff in Göttingen

Kleine Trio-Akustik-Tour Wingenfelder im ausverkauften Nörgelbuff in Göttingen

„Das war nicht die längste Ansage. Die war in Bremen: 15 Minuten“, beruhigt Thorsten Wingenfelder. „Da warst du heute aber nah dran“, so Kai Wingenfelder. „In Münster mach ich zwanzig Minuten“,  kontert Thorsten. Ja, ihre Ansagen sind manchmal lang, manchmal haben sie auch nicht so viel mit dem folgenden Lied zu tun. Aber charmant und unterhaltsam sind sie und nur selten geben Künstler so persönliche Einblicke. Thorsten und Kai Wingenfelder waren auf ihrer kleinen „Trio-Akustik-Tour“ im Nörgelbuff zu Gast.

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Trio auf Tour: Norman Keil, Kai Wingenfelder und Thorsten Wingenfelder.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Seit 2010 gibt es die Band Wingenfelder, gegründet von den Brüdern Kai und Thorsten.  Die meisten wissen es: Kai war der Sänger, Thorsten der Gitarrist von Fury in the Slaughterhouse aus Hannover, einer der erfolgreichsten deutschen Bands.     Gemeinsam haben sie auch die meisten Songs der Band geschrieben. 2008 lösten sich Fury auf. Die beiden Brüder machen nun Rock mit deutschen Texten.

Das Nörgelbuff ist mit gut 100 Leuten pickepacke voll, das Konzert seit Wochen ausverkauft. Leicht hätte das Trio auch einen größeren Saal in Göttingen füllen können, aber „so ist es eben ein bisschen intimer“, sagt Kai Wingenfelder. Und das passt zu ihnen. In ihren Songs erzählen sie Geschichten, die sie bewegen – und meist auch die Zuhörer. Zusammen mit dem Gitarristen Norman Keil spielen sie Stücke der Alben „Besser zu Zweit“ und „Selbstauslöser“ und einige alte Fury-Songs. „Won‘t forget these days“, fehlt genauso wenig wie als Zugabe „Time to wonder“. Schöne Akustik-Arrangements für ihren geradlinigen Rock haben die drei entwickelt. Kai Wingenfelders außergewöhnliche Stimme gibt dem Ganzen den besonderen Touch.

In einer der Zugaben zünden sie dann noch ein Tischfeuerwerk, erworben im Edeka des 280-Seelendorfs, in dem der Sänger inzwischen lebt. „Ohne diesen Blödsinn, den wir auch mit Fury schon gemacht haben, wären wir sicher mal ganz groß rausgekommen“, seufzt Thorsten Wingenfelder, sieht aber ganz zufrieden aus. Zu Recht: Das Gesamtpaket Wingenfelder ist gelungen, so wie es ist.

Geschichtenerzähler-Rock
Thorsten und Kai Wingenfelder über deutsche Texte, kleine Clubs und Fury

Gibt es spezielle Verbindungen zu Göttingen?
Kai Wingenfelder: Wir haben hier mit Fury in the Slaughterhouse oft gespielt, drei- viermal allein in der Stadthalle, glaube ich.
Thorsten Wingenfelder: Abgesehen davon: Mir wurde hier in Göttingen auf einem Uni-Fest nach dem Auftritt mit meiner allerersten Band ein Effektgerät  – das hat damals 1000 Mark gekostet – geklaut. Es wäre immer noch ein guter Zeitpunkt das zurückzugeben!!!

Warum die kleine „Trio-Akustik-Tour“?
Thorsten: Wir hatten schon 2011 viele Anfragen für Auftritte in kleineren Clubs und Hallen. Da haben wir kurzerhand das Trio erfunden. Den Leuten gefällt das sehr gut. Und für uns als Künstler ist es auch interessant. Es hat einen anderen Bogen, andere Spannung.
Kai: Nun sind auf der Tour aber doch wieder viele  Hallen recht groß. Es ist aber trotzdem schön. Wir erzählen ja viele Geschichten zwischen unseren Stücken, damit die Leute sich besser reindenken können.  Im Nörgelbuff wird es heute sicher sehr heimelig. Das ist der mit Abstand kleinste Club der Tour.

Ihr habt schon vor 30 000 Menschen gespielt, im Capitol Hannover vor 1500, jetzt vor einigen Hundert. Wie ist das für Euch?
Thorsten : Zwischen 200 oder 1500 da ändert sich nicht viel. Aber 30 000, das  ist anders. Das ist die Welt der großen Gesten. Da bleibt kaum mal Zeit für eine persönliche Ansage. Da zieht man die Show durch.
Kai : Man hört die Leute auch nicht mehr, kann nicht reagieren. Und das Publikum sieht uns über die riesigen Monitore neben der Bühne. Kontakt ist da schwierig. In kleineren Hallen sind die Abende wärmer. Das ist charmanter.
Thorsten: Wenn ich wählen müsste, würde ich immer vor 1000 oder 100 spielen. Das ist einfach befriedigender. Große Shows haben auch ihren Reiz. Sind aber ein bisschen wie McDonalds. 

In nahezu jeder Ankündigung steht noch Wingenfelder, ehemals Fury in the Slaughterhouse. Nervt das?
Kai : Nein. Wir wollen aber nicht darauf reduziert werden. Wir sind dort nicht stehengeblieben. Wir machen ja bewusst die deutschen Alben, das ist unser Ding. Und so wollen wir auch wahrgenommen werden.
Thorsten : Fury ist für manche die Initialzündung, unsere Songs zu hören, zu entdecken. Aber der Erfolg der Alben hängt nicht an den vier oder fünf Fury-Songs.

Warum habt ihr euch für deutsche Texte entschieden?
Kai : Die Leute verstehen einfach besser, was wir zu sagen haben. Thorsten: Das ist eine Herausforderung. Da musst du die Hosen runter lassen.

Was kommt auf dem neuen Album, das ihr ab März produziert?
Kai : Unser erstes Album hatte ja sehr viele persönliche Geschichten. Beim zweiten wollten wir einfach mal mehr Popsongs ausprobieren. Jetzt wollen wir wieder neue Facetten entdecken. Thorsten: Diesen Geschichtenerzähler-Rock wollen wir weiterentwickeln. Mit Geschichten, die uns bewegen, beim Publikum den Nerv treffen. 

Ihr habt das kommende Album durch Crowdfunding finanziert. Habt signierte CDs, T-Shirts, private Konzerte oder auch Abendessen angeboten für die Unterstützer. Ist das die Zukunft im Musikbusiness?
Thorsten: Für uns hat das hervorragend funktioniert. Es gibt uns viel Freiheit, macht unabhängig von den Plattenfirmen. Es ist aber auch eine Menge Arbeit. Ob diese Finanzierungsmöglichkeit wirklich Zukunft hat, muss sich zeigen. Es kann auch sein, dass die Leute zugeschwemmt werden mit solchen Angeboten.                                

 Interview: Christiane Böhm

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