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Wingenfelder in der ausverkauften Musa

Neues Album "Retro" Wingenfelder in der ausverkauften Musa

„Retro“ heißt das neue Album der Pop-/Rockband Wingenfelder. Die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder haben in der ausverkauften Göttinger Musa gespielt. Anders als bei ihrer ehemaligen Band „Fury in the Slaughterhouse“ schreiben und singen die beiden nun deutsche Texte.

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Wingenfelder in der ausverkauften Musa Göttingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Schon beim zweiten Lied „Weil wir Brüder sind“ klatscht das Publikum im Takt mit. Thorsten und Kai singen und spielen Gitarre. Vor allem Thorsten scheint dafür verantwortlich zu sein, das Publikum auf das nächste Lied einzustimmen und die dazugehörigen Geschichten zu erzählen. Nicht nur „Klassenfahrt“ dreht sich um die alten Zeiten. Auch „Früher war alles besser“ richtet, wie der Titel schon vermuten lässt, den Blick zurück. Doch die Texte verlieren sich nicht in der Nostalgie. Sie wird auch hinterfragt. War früher vielleicht alles besser, weil man im Nachhinein einiges verklärt? „Früher war alles besser“, singt Kai. „Und ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich dich so vermisse.“

Ganz aktuell bezieht die Popband Stellung zum derzeitigen gesellschaftlichen Klima in Deutschland, das ihrer Analyse nach stark von Angst gezeichnet sei. „Ich will nicht, nicht ins Stadion gehen, weil ich Angst vor Terroristen habe“, erklärt Thorsten. „Freiheit gibt’s nicht geschenkt. Und die Angst spielt gerne dazwischen.“ Das Lied „Angst vor der Angst“ ist mit einem einschüchternden, bedrückenden Beat unterlegt. Doch am Ende stellt sich der Erzähler in dem Lied der „schlimmsten Angst von allen“. Ganz wichtig bei ernsten Themen ist der Band jedoch auch, dass sie „politisch tanzbar“ dargeboten werden.

„Hey Cowboy“ hat Thorsten geschrieben, weil „ein Arschloch“ ihn betrogen habe. „Da hat sich mein musikalisches Leben radikal verändert. Vorher habe ich immer Lieder über Menschen geschrieben, die ich liebe oder verehre“, erzählt er. Sein Racheplan sei aufgegangen. Das Lied über diesen Vorfall sei im Radio gespielt worden. „Egal, wo er ist, er musste das Lied im Baumarkt und an der Käsetheke hören“, erklärt der Singer und Songwriter süffisant.

Die Band Wingenfelder besteht seit 2010. Doch schon vorher haben die beiden Namensgeber als „Fury in the Slaughterhouse“ zusammen Musik gemacht. Zwei Songs aus dieser Zeit, „Won’t Forget These Days“ und „Time to Wonder“, singt das Publikum textsicher mit. „Ich wusste, Göttingen besteht zu 90 Prozent aus Teletubbies“, scherzt Thorsten , als sich die Arme in die Höhe heben und im Takt der Musik schwingen.

Zu ihrem Lied „Revolution“ gibt es eine Eurythmie-Einlage des Schlagzeugers und des E-Pianisten. Mitten im Song springen die beiden auf und tanzen unter dem Gelächter der Zuschauer ein „W“. „Besser ein gut getanztes ‚W‘, als ein schlechtes ‚ingenfelder‘“, kommentiert Kai trocken. 

Wingenfelder spielen und moderieren souverän durch den Abend. Auch mit deutschen Texten gelingt es der Band, das Publikum von sich zu überzeugen.

Von Jorid Engler

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