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Wo Strunk draufsteht, ist wenig Strunk drin

Theater nach einem Roman Wo Strunk draufsteht, ist wenig Strunk drin

Mit seinem Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ hat Heinz Strunk im Jahr 2004 einen Überraschungserfolg gelandet. Das Buch wurde zum Bestseller, und Strunk schrieb weiter. Regisseur Christian Doll, ab der Spielzeit 2012 neuer Intendant der Gandersheimer Domfestspiele, hat die ausgesprochen witzige Geschichte für das Staatstheater Braunschweig bearbeitet – und plötzlich ist sie gar nicht mehr so witzig.

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Zum Verzweifeln: Heinz (Hanno Koffler) mit Musikschülerinnen Maike (Rika Weniger, links) und Silke (Louisa von Spies).

Quelle: Karwasz

Strunk hat über seine Jahre als junger Mann geschrieben. Gebeutelt von Depressionen und fieser Akne, perspektivlos und zwölf Jahre Mitglied der Tanzband „Tiffany’s“, mit der er über die Dörfer tingelte. 90 Prozent biografisch sei die Geschichte, hatte Strunk einst verbreitet und sie mit dem nötigen zeitlichen Abstand und viel Selbstironie klug zusammengerührt. Das, was Strunks Text unterhaltsam macht, hat Doll ihm zielsicher zu großen Teilen ausgetrieben. Die Braunschweiger Produktion grenzt an Etikettenschwindel: Strunk steht drauf, ist aber nur noch in geringen Dosen drin.

Übrig geblieben ist nur noch ein junger Mann mit Akne und sein liebevolles, aber nicht immer einfaches Verhältnis zu seiner Mutter und sein Engagement bei den Tiffanys. Das Mutter-Sohn-Verhältnis verleiht dem ganzen eine tragische Note, die Band eine glanzvolle, denn Musiker der erfolgreichen „Jazzkantine“ um Christian Eitner sind „Tiffany’s“. Sie glänzen mit Professionalität und Spielfreude und tragen den Abend.

Hanno Koffler spielt Heinz Strunk und er spielt ihn souverän. Koffler hat am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien studiert, unter der Regie von Klaus Maria Brandauer gespielt, Filme gedreht und TV-Rollen übernommen. In dieser Spielzeit hat sich der 31-Jährige dem Braunschweiger Ensemble angeschlossen. Für seine Musikerrolle hat Koffler Saxophonunterricht genommen, und auch mit dem Instrument schlägt er sich wacker. Martina Struppek ist seine Mutter, eine wenig lebensfrohe Frau, die überall Verrat wittert.
Die sangesstarken Schauspielerinnen Rika Weniger, Marianne Heinrich und Louisa von Spieß setzten noch das eine oder andere musikalische Glanzlicht einer Produktion, die eher Revue als Theater ist. Und mit diesem Genre hat Regisseur Doll auch Erfahrungen gesammelt. Bereits zwei sogenannte Schlageretten inszenierte er in den vergangenen Spielzeiten an seiner künftigen Sommerwirkungsstätte, der Open-Air-Bühne vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim.

Die nächsten Vorstellungen: 15. und 29. April sowie am 8., 14., 15. und 23. Mai um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig, Magnitorwall 18. Kartentelefon: 05 31 / 12 34 567.

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