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Wortsalat und Suche nach dem Zusammenhang

Theater im OP Wortsalat und Suche nach dem Zusammenhang

Der Schauplatz befindet sich irgendwo im Nirgendwo, an einem namenlosen Bahnhofsplatz in einer unbekannten Stadt. Die Bühne ist minimalistisch gestaltet: Menschen, die einander begegnen, sich unterhalten, ihr Gegenüber aber doch nicht erreichen.

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Auf der Suche nach dem Zusammenhang: „Der bisweilen Stumme“ (H. Engelhardt), Lina Sommer (D. Emsel) und „Der ab und an Verfolgte“ (C. Seltmann, von links).

Quelle: Opitz

„Wörter und Körper“ heißt das von Matto Jordan für das Theater im OP (ThOP) inszenierte Stück, das solch ein Gesellschaftspanorama entwirft. Es trifft den Nerv der Zeit.
Gezeigt wird eine Ansammlung bekannter Prototypen: Da wäre etwa der schmierige und aufbrausende Geschäftsmann (Alexander Niedziolka). Er ist darum bemüht, seine Affäre vor der Ehefrau geheim zu halten.

Der schon längst pensionierte Wachmann (Manfred Sax), der die Menschen immer wieder daran erinnert, weiterzugehen. Ein Großmaul und Wahnsinniger (urkomisch: Christopher Seltmann), der verzweifelt auf einen Anruf vom Geheimdienst wartet. Sie alle begegnen sich auf die ein oder andere Weise, sprechen in der Hoffnung auf Erlösung mit dem Gegenüber oder zumindest mit sich selbst.

Inmitten dieser ruhelosen Gestalten und ihrer Suche nach Identität schwebt die tragisch-komische Lina Sommer (charmant: Dorothee Emsel), verwirrt, verloren, im Sprach-Kuddelmuddel gefangen. Nach dem Tod ihrer Mutter und dem Verlust ihrer Arbeit sucht sie händeringend nach Halt, sie pendelt zwischen Abschied und Aufbruch. Durch ihren Wortsalat, der sich bisweilen in eine einzige Dekonstruktion von Sprache und Sinn entlädt und das Publikum ins Dauer-Lachen versetzt, fällt Lina auf. Sie ist die entscheidende Störung im Alltagstrott der Bahnhofsmenschen.

Sie ist die Sinnstifterin, die den so sehnlich erwarteten Zusammenhang ins Leben ruft und dabei zu ihrer ganz eigenen Erlösung gelangt. Erfolgsautor Martin Heckmanns kreierte ein Stück, in dem sich die Figuren zwischen dramatischer Tiefe und grandioser Situationskomik bewegen. Es gibt der Sprache eine eigene Rolle, es zeigt die Verirrungen der Gesellschaft deutlich. Zurecht war die Premiere ausverkauft. Das Stück hat die Aufmerksamkeit verdient.

Weitere Vorführungen: 8. bis 10. Oktober. Beginn jeweils um 20.15 Uhr.

Von Swenja Lohrengel

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