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Yoon Yang siegt in Thorn – und spielt mit den Göttinger Symphonikern

Gischtende und schäumende Gefühlswogen Yoon Yang siegt in Thorn – und spielt mit den Göttinger Symphonikern

Die Verbindungen der Part­nerstädte Göttingen und Thorn sind längst nicht mehr auf die Magistratsebene beschränkt. Die kulturellen Beziehungen haben sich am Freitag auf be­sonders schöne Weise darge­stellt: beim Konzert des Göt­tinger Symphonie-Orchesters (GSO) mit der koreanischen Solistin Yoon Yang.

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Ohne Taktstock mit den Händen und Fingern musikalischen Ausdruck modellierend: Gastdirigent Dmitry Liss.

Quelle: Heller

Die junge Geigerin, Jahrgang 1986, hat ihr Studium in Ko­rea und Hannover absolviert und siegte 2010 beim zweiten Internationalen Violinwett­bewerb in Thorn. Der Jury gehörte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller an, der sie nach Göttingen eingeladen hat.

In zwei romantischen Konzertstücken konnte die Musikerin ihre Künste zeigen. Zunächst spielte sie Ernest Chaussons Poème, in dem sie ihren vollen Violinton wunderschön singen ließ. Sie baute große Spannungsbögen auf und strahlte dabei eine bemerkenswert souveräne Ruhe aus, nicht zuletzt dadurch, dass sie die Phrasenenden ausspielte und der folgenden Melodie angemessen Zeit gab, sich aufzubauen.

War in Chaussons Werk vor allem intensives kantables Spiel gefordert, faszinierte Yoon Yang in Introduktion und Rondo capriccioso von Camille Saint-Saëns mit tänzerischer Leichtigkeit und Grazie. Die hohen virtuosen Anforderungen dieses in Zusammenarbeit mit Sarasate komponierten Werks bewältigte sie mühelos, ihre Intonation war fast durchweg perfekt, die Technik brillant. Für den begeisterten Beifall bedankte sie sich mit Paganinis 24. Caprice – abermals bemerkenswert ruhig in der Gestaltung, kein Akrobatenstück, sondern Musik pur.

Das Orchester fungierte als aufmerksamer und feinfühliger Partner der Solistin. Am Pult stand Gastdirigent Dmitry Liss, ein Schüler von Dmitri Kitayenko. Liss verzichtet auf den Taktstock, dirigiert nur mit den Händen – das lässt seine Schläge besonders in langsamen Tempi etwas weniger präzise aussehen, doch dafür modelliert er mit seinen Hand- und Fingerbewegungen geradezu den musikalischen Ausdruck.

Seine Visitenkarte gab er mit Anton Arenskis Tschai­kowsky-Variationen für Streichorchester ab: intensiv den Nuancen des Ausdrucks nachspürend, sehr liebevoll in der Detailzeichnung. Doch dies war sozusagen nur die Vorübung vor dem großen Finale mit der ersten Sympho­nie von Jean Sibelius, in der der Dirigent die Gefühlswo­gen wirkungsvoll gischten und schäumen ließ. Dass sich seiner Kehle im Eifer des Gefechts bisweilen brunftähnliche Geräusche entrangen, beweist die hohe emotionale Intensität seines Dirigats. Die übertrug sich in erheblichem Maß auf das Publikum, das nach dem Schluss der Sym­phonie mit lautstarken Bravo­rufen und lang anhaltendem Beifall seine Begeisterung kundtat.

Von Michael Schäfer

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