Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Yuliia Van und Natsumi Ohno geben Konzert in Göttingen

Singender, großer Ton Yuliia Van und Natsumi Ohno geben Konzert in Göttingen

Erst 19 Jahre alt ist die aus der Ukraine stammende Geigerin Yuliia Van. Sie gab am Sonntag zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Natsumi Ohno ein Konzert in der Universitätsaula. Dieser Abend gehörte zu einer niedersachsenweiten Serie von acht Konzerten an diesem Wochenende, in denen sich im Vorfeld des neunten Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs Hannover Kandidaten und Preisträger präsentieren.

Voriger Artikel
Hessischer Kulturpreis für künstlerische Leiter der Documenta
Nächster Artikel
Klub Kultura heißt die erste Göttinger Clubnacht

Konzert im Vorfeld des Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs in der Aula der Universität Göttingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Mehr als 200 junge Virtuosen haben sich 2015 für diesen Wettbewerb registrieren lassen, der Ende September/Anfang Oktober zum neunten Mal ausgetragen wird.

Mit rund 140 000 Euro Preisgeldern ist er zugleich der weltweit höchstdotierte Wettbewerb seiner Art. Eine vierköpfige Jury wird unter den registrierten Bewerbern die Wettbewerbsteilnehmer auswählen. Am Wettbewerb 2012 haben 39 junge Geigerinnen und Geiger teilgenommen.

Mit Beethovens Es-Dur-Sonate op. 12 Nr. 3 eröffnete Van den Abend. Charakteristisch für ihr Violinspiel ist ihr singender, großer Ton, mit dem sie anmutige, weich fließende Melodielinien gestaltet. Diesen Ausdruck konnte sie besonders überzeugend im langsamen Mittelsatz entfalten. Ohno am Klavier war ihr eine perfekte Partnerin mit ihrem stets geschmeidig gerundeten, nirgends sich in den Vordergrund drängenden Spiel.

Ähnliche Ausdruckswerte arbeiteten die Solistinnen in vier Préludes von Schostakowitsch heraus, ursprünglich für Klavier solo, von Dmitri Tsyganov für Violine und Klavier bearbeitet – eine vom Komponisten autorisierte Fassung, denn Schostakowitsch hat sie 1956 mit Leonid Kogan eingespielt. Für diese Musik wären allerdings ein paar Ecken und Kanten mehr durchaus denkbar, sie muss nicht immer derart stromlinienförmig daherkommen.

Mit der vierten Solosonate von Eugène Ysaÿe hatte sich Van einer ganz besonderen Herausforderung gestellt. Diese Sonate verlangt Akkuratesse der Intonation bis in die allerhöchsten Flageolett-Lagen, sie ist sanglich, aber auch leidenschaftlich, dramatisch, dann wieder introvertiert. Wiederum waren es vor allem die kantablen Passagen, die die Geigerin am überzeugendsten gestaltete.

Das gilt gleichermaßen für die der Tonschönheit verpflichtete, großdimensionierte Es-Dur-Violinsonate von Richard Strauss. Als er sie 1887 komponierte, war er gerade 23 Jahre alt, also nur vier Jahre älter als Van heute. Den hohen virtuosen Anforderungen waren beide Musikerinnen souverän gewachsen. Das Publikum klatschte und trampelte vor Begeisterung. Zum Dank gab es die Meditation aus „Thaïs“ von Jules Massenet.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff