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Der Augenmensch

Künstler und ihre Ateliers: Zu Gast bei Ulrich Hollmann Der Augenmensch

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Ulrich Hollmann.

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Mit Spaß in seinem Atelier: der Maler Ulrich Hollmann          

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. „Ich arbeite sehr viel und mache auch sehr unterschiedliche Sachen“, sagt Ulrich Hollmann. „Das rührt wohl daher, dass man mit den Schülern sehr unterschiedliche Dinge gemacht hat, und von den Schülern selbst auch Anregungen bekommen hat.“

35 Jahre war er als Kunstlehrer tätig. Seit 17 Jahren ist er nun im Ruhestand und das bedeute für ihn, sich als „absolut freier Künstler“ ohne jeglichen Druck seiner künstlerischen Arbeit widmen zu können. Und der 79-Jährige ist ein sehr produktiver Kunstschaffender.

Das Dachgeschoss des Einfamilienhauses am Rande Duderstadts ist Hollmanns Refugium. Ein Raum ist prall gefüllt mit Bilderstapeln und vielfältigen Arbeiten in Schränken, Schubläden und Bilderkrippen, wobei noch weitere großformatige Arbeiten in Obernfeld gelagert sind. Mit Blick weit über das Ohmgebirge, den vielen Ausstellungsplakaten an der Wandschräge und bestem Oberlicht über der Staffelei ist der Atelierraum augenfällig ein Ort kreativer Produktivität.

In Schlesien geboren und in Duderstadt aufgewachsen, ging Hollmann 1957 nach Karlsruhe zum Studium der Malerei, Grafik und Kunstpädagogik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Dass dort in einer Zeit des ausklingenden Expressionismus der Holzschnitt durch HAP Grieshaber eine große Rolle spielte, habe auch seine künstlerischen Anfänge beeinflusst, erzählt Hollmann. „Das Verfahren zwingt einem bestimmte Formen und Reduktionen auf.“ Danach habe sich allmählich die Malerei bei ihm entwickelt.

Seit seiner Pensionierung widmet sich Hollmann vermehrt der Malerei. Aber dann holt er „das Neueste“ hervor, einen Holzschnitt, der eine Landschaft mit gruppierten Bäumen zeigt. „Der ist noch gar nicht trocken.“ Auch zeichne er „unheimlich viel.“ Daneben gehören Radierungen, Aquarelle, Linolschnitte und Plastiken zum künstlerischen Spektrum. Sogar zwei Glasfenster habe er entworfen, eines für eine Kirche der Augustiner in Zaire.

„Ich denke mir meine Bilder nicht aus"

„Mir ist wichtig, dass es mir gelingt, Bilder aus meinem Kopf auf die Leinwand oder auf die Fläche zu bringen“, sagt Hollmann. „Ich denke mir meine Bilder nicht aus, sondern versuche, die Bilder daraus zu entwickeln, was ich sehe.“ So gehören Porträts, Landschaften, Stillleben, städtisches Leben und anderes mehr zu seinen Motiven. Die „künstlerische Grammatik“, also bildnerische Mittel wie Komposition, Farbkontraste und Spannungsaufbau habe er stark verinnerlicht. „Insofern bin ich auch nie versucht, etwas nur abzumalen.“ Eine Intention sei es, beim Betrachter einen Anreiz zu setzen, genauer hinzuschauen. „Der Betrachter soll sich das Bild auch selbst erarbeiten.“

„Ich bin ein ausgesprochener Augenmensch“, sagt der Künstler. „Ich habe ja hier die Motive vor der Tür.“ Aber auch wenn er in Serien städtisches Leben gemalt habe oder den großen Schützenumzug vor zehn Jahren – ein „Heimatmaler“ sei er deswegen nicht. Wobei er die Möglichkeiten vor Ort schätzt. „Ich habe hier meine Freiheit.“ Viele Ausstellungen externer Künstler habe er über die Jahrzehnte im Duderstädter Rathaus betreut und dabei „absolut freie Hand gehabt.“

„Einfach weiter so, aber keine Routine aufkommen lassen“, lautet Hollmanns Ausblick. Bei einer Ausstellung im Künstlerhaus in Göttingen will er im Januar 2017 stilistisch dann auch eine ganz neue Seite zeigen.

Von Karola Hoffmann

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