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Zarter Flügelschlag und atemberaubende Virtuosität

Silvesterkonzert Zarter Flügelschlag und atemberaubende Virtuosität

Mündig geworden ist das traditionelle Silvesterkonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO): Vor 18 Jahren kam es in der Stadthalle zur Welt. Seitdem ist es ebenso traditionell stets ausverkauft – wie am letzten Abend des Jahres 2015. „Buffo“ hieß das Motto des beschwingten Konzerts.

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Quelle: PH

Göttingen. Eine wohldosierte Mischung aus heiteren, eleganten und virtuosen Klängen hatte GSO-Chef Christoph-Mathias Mueller zusammengestellt. Die Bandbreite des Programms reichte von Ouvertüren Rossinis und Offenbachs über Konzertantes von Weber und Rossini bis zu Walzern und Polkas von Ziehrer, Lumbye sowie Josef und Johann Strauß.

Ausgesprochen gut aufgelegt waren die GSO-Instrumen¬talisten. Sie zeigten unter Muellers temperamentvoll-spritziger Leitung gleich zu Beginn in Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ ihre Disziplin im hauchzarten Pianissimo wie in konturenscharf präsentierten virtuosen Spielfiguren. In Ziehrers Walzer „Ich lach!“ überraschte Mueller seine Zuhörer mit kleinen, bremsenden Fermaten, die die Spannung enorm steigerten.

Aufschlussreich war der Vergleich der Harlekin-Polkas des dänischen Komponisten Hans Christian Lumbye und des Walzerkönig-Bruders Josef Strauss: Der Kopenhagener Harlekin tanzt mit wohl etwas schwereren Schuhen über ländlichen Boden, während sein Wiener Kollege in luftiger Eleganz zu hüpfen vermag. Das gilt ebenso für die witzige Scherz-Polka von Johann Strauß. Dieselbe schwebende Leichtigkeit zarter Flügelschläge kennzeichneten die beiden wundervollen Strauß-Walzer „Frohsinns-Spenden“ und „Künstlerleben“.

Das Sahnehäubchen im Programm aber war der Auftritt des Gastsolisten Blaž Šparovec. Dieser aus Slowenien stammende Klarinettist besitzt eine sehr flexible Tongebung, dank derer er den Klang seines Instruments vielfältig färben kann: von zartesten Kantilenen, die an die menschliche Stimme erinnern, bis zu durchdringenden Tönen in höchster Lage, mit denen er sich auch gegen ein kräftiges Orchestertutti durchzusetzen vermag.

Dazu kommt seine staunenswerte Virtuosität in rasenden Läufen, Dreiklangsbrechungen und aberwitzigen Sprüngen. Zudem vermag er dank seiner perfekten Atemtechnik schier unendliche melodische Bögen auszuspannen: ein Hochgenuss, präsentiert in Webers Concertino op. 26, in Rossinis Thema und Variationen sowie im zugegebenen Finale aus Webers erstem Klarinettenkonzert. Atemberaubend.

Das begeisterte Publikum tobte so lange und lautstark, wie man es nur selten erlebt. Der Lohn: Tritsch-Tratsch-Polka und Radetzkymarsch.

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