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Zeichnungen von F. W. Bernstein und Heike Drewelow

Göttinger Apex Zeichnungen von F. W. Bernstein und Heike Drewelow

Kunst stört. So zumindest muss man es doch verstehen, wenn Kunst oder Kunstwerke nicht in gastronomischen Räumen erwünscht oder gefördert sind und stattdessen in abseitige Räume verbannt werden. Die Kneipenbesucher sollen bei ihren wohlverdienten abendlichen Erholungspausen nicht abgelenkt werden.

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„Du bist ja ’ne Animalie“: der Ex-Göttinger F. W. Bernstein und Heike Drewelow.

Quelle: Heller

Die Göttinger Galerie Apex hat daher nun eine neue Ausstellungsreihe „Apex Werkstatt“ gegründet, die sich vornehmlich auf Zeichnungen, Illustrationen, Grafiken und Karikaturen konzentriert. Der Begriff der Werkstatt ist als Rückgriff auf die vormalige Schlosserei in den Räumlichkeiten des heutigen Apex zu verstehen. Darüber hinaus mag er aber auch auf das Prozesshafte von Kunst deuten, für das die Zeichnungen, Karikaturen und Satiren des Ex-Göttingers F. W. Bernstein und Heike Drewelows, mit denen die Reihe am Sonnabend eröffnet wurde, wunderbare Beispiele bieten.

„Aus der grafischen Heilanstalt“ haben der Grafiker, Lyriker, Karikaturist und Satiriker F. W. Bernstein (alias Fritz Weigle) und seine ehemalige Schülerin Drewelow ihre Zeichnungen überschrieben. Darin nehmen sie karikierend, mit bisweilen bitterem Wortwitz und feinster Reimkultur die Gesamtheit des heutigen psychologisierenden Gesundheitssystems unter die Lupe. Wortgewaltige Nomenklaturen („Und wie ist deine Diagnose? Klimakterisch akzentuierte negative Vitalitätsschwankung mit oraler Manifestation“), tiefsinnige Wortspielereien („Ich bin meiner Vergeblichkeit zuliebe hier“) oder einfach nur der Spaß am reimenden Wortspiel („Bist Du der Peter mit dem Nasenthermometer“) ergänzen die kauzigen, häufig spitzschnabeligen und zum Teil animalischen Wesen („Du hast ja ’ne Animalie“), die sich auf den Zeichnungen mit Wortspielereien, streitend oder auch philosophierend begegnen. Und gerade dieser bildhafte Dialog spiegelt die Entstehung dieser Zeichnungen durch wechselseitiges Arbeiten auf einem Blatt.

Seit fast 20 Jahren kommunizieren die beiden Künstler auf postalischem Weg über Postkarten, auf denen einer die Zeichnung des anderen fortsetzt, korrigiert oder einen Text hinzufügt. Dass man dabei die Urheberschaft kaum noch erkennen kann, wie Reinhard Umbach in seinem mit ebensoviel Sprachwitz, tiefsinnigen Anspielungen und kunstvollen Reimen gespickten Einführungsvortrag feststellte, ist nicht so wichtig, denn, so kalauerte Umbach zu Recht: „Die Bilder von Fritze sind spitze, die von Heike noch spitzer“.
Die Ausstellung läuft bis zum 10. April mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen.

Von Claudia Oelze

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