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Zeitlose Schlager

Benefizkonzert Zeitlose Schlager

Seinen „Schlagersalon“ hat das Salonorchester Weimar am Donnerstagabend für das Publikum in der Alten Mensa geöffnet. Gekommen waren die Musiker zum vierten Benefizkonzert zugunsten der Stiftung für das Palliativ-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen. Auf dem Programm standen Gassenhauer der 20er- und 30er-Jahre.

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Sehr kultiviert: das Salonorchester Weimar um Sänger Boris Raderschatt.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Mit Johannes „Jopi“ Heesters haben sie schon auf der Bühne gestanden, erzählt Frontmann und Sänger Boris Raderschatt und hängt eine Anekdote aus ihrer Zusammenarbeit an. Die Richtung des Abends ist also vorgegeben: Die sieben Musiker aus der Klassiker-Stadt Weimar präsentieren Lieder, die bis heute noch bekannt sind und von vielen Konzertbesucher entsprechend mitgesungen werden können. Als Referenz an die Stars und Sternchen der Ufa-Filme verstehen sie ihr Programm. „Kann den Liebe Sünde sein?“, singt Raderschatt. „Ich küsse ihre Hand Madame“ intoniert er ebenso wie „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ und „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“. Etwas aus dem Rahmen fällt Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“, weil es erst 1950 geschrieben wurde, fügt sich aber ansonsten prächtig in den Reigen der unvergessenen Schlager.

Die Musiker des Salonorchesters, laut Raderschatt allesamt mit einem Brotberuf neben der Musik ausgestattet, spielen sehr kultiviert. Feine Lied-Arrangements machen Spaß beim Zuhören. Sänger Raderschatt rollt das R und betont die T-Endungen genüsslich. Irgendwo zwischen Georgette Dee und Max Raabe bemüht er sich um eine eigene Position, was bei der Konkurrenz nicht einfach ist. Doch zum Glück drängt es ihn nicht danach zu kopieren. Die Tiefe des „Damenbasses“ einer Zarah Leander schaffe er eh nicht, bekennt Raderschatt. Dabei gelingt ihm das etwas Unbeholfene und Näselnde des singenden Heinz Rühmann prächtig. Bei dem Schlager „Oh Donna Clara“ singt auch das Publikum geradezu inbrünstig, beinahe so engagiert wie Raderschatt bei „Bel Ami“, offenbar einer seiner Favoriten.

Nicht jeder Scherz Raderschatts zündet an diesem Abend. Doch die hohe Unterhaltungskunst des Salonorchesters mit überraschenden Arrangements und der Zeitlosigkeit des musikalischen Programms lassen das Konzert angenehm entspannt zu Ende gehen. Zugaben allerdings wollte das Publikum dann keine mehr.

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