Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Zelttheater im Cheltenhampark

"Madame Tod" trifft das Leben Zelttheater im Cheltenhampark

Die Compagnia Buffo hat wieder ihr Theaterzelt im Cheltenhampark aufgeschlagen, und am Donnerstag war Premiere des Theaterstückes „Leben“ nach E. St. Smith. Theatermacher Willi Lieverscheidt verband ernste Themen wie Alter, Demenz und Sterben mit einer gewohnt grotesk-komischen Mischung.

Voriger Artikel
Surreales Nebeneinander
Nächster Artikel
Leben auf dem Sperrmüllsofa

Theater im Zelt: Die Compagnia Buffo bringt „Leben“ in den Cheltenhampark.

Quelle: CR

Göttingen. Der Tod gehört zum Leben, wie sollte es anders sein. Und es gibt eine kleine Finesse. Der Sensenmann kommt als „Madame Tod“ daher. In „Leben“, das für die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2014 nominiert war, führt Haus-Autor E. St. Smith die Ebene des Alltags und die Ebene der Vision des Theaters zusammen. Und Willi Lieverscheidt ist alles in einer Person. Er spielt, singt, tanzt und schlüpft in sämtliche Rollen, zumeist in rasantem Wechsel.

Rahmenhandlung des Theaterstücks ist, dass er, Willi, seine Mutter im Altersheim besucht. Sie ist schon arg vergesslich und gebrechlich. Er kümmert sich rührend um sie. Ihr Miteinander ist davon bestimmt, dass sich die Rollen umgekehrt haben, und er jetzt die Fürsorge für die Mutter übernimmt. Lieverscheidt spielt beeindruckend wandlungsfähig und er zeigt, dass er ein sensibler Beobachter menschlicher Begegnungen ist. Der Sohn ist ganz natürlich und liebevoll. Und im nächsten Moment spielt der Folkwangabsolvent ganz famos die zittrige, trippelnde alte Frau, ganz fein und genau gezeichnet.

Und weil Sohn Willi Schauspieler ist, ist natürlich Theater angesagt, lautes, komisches, groteskes Theater. Kasperlebühne, Schattenspiel, Erzähltheater, Leinwandprojektionen und Opernparodie werden trefflich mit den ernsten Themen verknüpft.

Illuster ist die Truppe, die Lieverscheidt da auf die Bühne bringt und die verschiedenste Fassetten des Seins zeigt. Der Kasperle trickst Madame Tod beim Kartenspiel aus. Mortimer, der Lehrling von Madame Tod, greift in das Schicksal ein und verschont Prinzessin Kelis Leben. Zwei Ungeborene sinnieren im Mutterbauch über das Leben nach der Geburt. In einem Tanztheaterstück, das viele Figuren und daher auch ein paar Längen hat, ist das Sterben und die Abrechnung mit sich selbst das große Thema. Und heftig zur Sache geht es in einer Oper mit viel Liebe, Pfefferspray, großem Drama und Freiheitskampf. Nach alledem findet das Theaterstück noch ein poetisches Ende.

Mit großer Präsens und bewundernswerter Energie wirbelt Lieverscheidt über die Bühne. Neben den lauten, anarchischen und bunten Geschichten stehen die ganz leise Töne, in denen der Tausendsassa zeigt, dass er ein richtig guter Schauspieler ist.

Die Compagnia Buffo gastiert bis Sonntag, 19. Juni, im Cheltenhampark neben der Göttinger Stadthalle. Vorstellungen gibt es täglich, außer Montag, um 20 Uhr. Kartenreservierung unter Telefon 0171/4756584.

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff