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Zerrissene Täler, eigenständige Bildwelten

Galerie Ahlers Zerrissene Täler, eigenständige Bildwelten

Mit Arbeiten von K.R.H. Sonderborg hat die Galerie Ahlers einen der bedeutendsten Künstler des Informel zu Gast. Gemälde und eine Lithografiemappe des im vergangenen Jahr gestorbenen Künstlers zeigen seine autonome Arbeitsweise und souveräne Bildvorstellung. 

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Dynamischer Moment: Sonderborg-Werk.

Quelle: EF

Asphaltschwarz und breit schwingt sich die Form auf, schlägt oben einen schmalen Bogen, kehrt in die Nähe des Ausgangspunktes zurück. Eine helle, fast türkis schimmernde Wolke schwebt zwischen dem dunklen Lineament, mischt sich mit Grau oder wird davon  nicht ganz überstrichen. Der Form, deren Farbauftrag die starke Flüssigkeit und beinahe schwimmende Konsistenz erahnen lässt, steht die weiße Fläche der Leinwand gegenüber. Die formale Spannung könnte nicht größer sein. Dynamisch strebt die Form nach oben, findet sich jedoch wieder und macht den Moment perfekt.

“...um jener seltenen Augenblicke wegen, in denen alles möglich wird...“, so K.R.H. Sonderborg, 1923 im dänischen Sønderborg als Kurt Rudolf Hoffmann geboren, müsse  man wohl langsam leben. Tage, Wochen, Monate vergingen, ohne dass er etwas gemalt hatte. Dann entsteht aus der Ruhe und Gespanntheit zugleich der Moment. Zunächst meist in Hotelzimmern, später in Ateliers, legte der Maler alles nebeneinander bereit, Pinsel, Farbe, Acryl, Tusche, Papier, Wischer, Pappscheiben – um dann in kürzester Zeit dem Schaffensprozess seinen Raum zu geben.  

Nicht fraglos gehört Sonderborg den Informellen an, sein Strich ist nicht der seiner Künstlerkollegen, seine Autonomie bestimmen oft Annäherungen an Gegenstände die Arbeiten. Sei es die Bekabelung des Himmels über den Straßenbahnen,  Maschinengewehre, Stricke, Trafos, Kräne, Straßenzüge oder Fensterreihen – die Maschinerien und Umsetzungen von Alltagswelten speisen sich aus dem Leben. 

Auf weißem Grund, höchst dynamisch, mal breit, mal schmal, gerade oder schwungvoll verschlungen, bergen sie Geschwindigkeit und Ruhe, Dynamik und Zartheit in fiebrigen Ergriffenheit und gleichzeitiger Harmonie.  

Spritzender Duktus

Die Galerie Ahlers zeigt Arbeiten des Teilnehmers der Documenta II und III aus den Jahren 1969 bis 1992, neben den Gemälden – wie der „Heuschrecke“, deren spritzender Duktus zu springen scheint und genau ausbalancierten Exemplaren mit wenigen entschiedenen Strichen voller Kraft – , ist eine Mappe mit Lithografien zu sehen. Sie zeigt „Das Naturtheater von Oklahoma“, auf den Schluss von Franz Kafkas Roman „Amerika“ bezogen: „Am ersten Tag fuhren sie durch ein hohes Gebirge. Bläulich schwarze Steinmassen gingen in spitzen Keilen bis an den Zug heran, man beugte sich aus dem Fenster und suchte vergebens ihre Gipfel, dunkle, schmale, zerrissene Täler öffneten sich, man beschrieb mit dem Finger die Richtung, in der sie sich verloren ...“ Es finden sich darin eigenständige, souveräne  Bildwelten, Sonderborgsche Fingerzeige. 

Bis 5. Mai in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen. Am morgigen Freitag, 24. April, ist die Schau bis 23 Uhr geöffnet. Von da an dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr .

                                                                                                              Von Tina Lüers

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