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Zitterbart spielt Beethoven, Liszt und Schubert

Programm aus dem Stegreif Zitterbart spielt Beethoven, Liszt und Schubert

Was tun, wenn die Solistin des Abends ausfällt? Ganz einfach: Da springt der Veranstalter ein und spielt selbst. So geschehen am Freitag, als Wettbewerbssiegerin Lisa Wellisch im ICE festsaß und ihr Konzert im Claviersalon am Stumpfebiel absagen musste.

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Gerrit Zitterbart.

Quelle: CR

Göttingen. Gerrit Zitterbart, Pianist und Hausherr, hatte erst vier Stunden vor Konzertbeginn von der Panne erfahren. Im Nu entwarf er ein Ersatzprogramm aus seinem Repertoire und überließ dem Publikum die Entscheidung, zu bleiben oder zu gehen. Fast alle blieben – und erlebten einen spannenden Klavierabend mit Musik von Beethoven, Liszt und Schubert.

Spannend war der Abend nicht nur des souveränen Pianisten wegen, der diese Werke virtuos, stilsicher und mit fein ausgefeiltem Ausdruck gestaltete. Auch die ungewöhnlichen Klangfarben der von ihm ausgewählten historischen Instrumente ließen immer wieder aufhorchen. So spielte Zitterbart die Sonate e-Moll op. 90 von Ludwig van Beethoven an einem Hammerflügel, der um 1820 gebaut worden ist, also zur Entstehungszeit der Sonate. Dessen Klang ist ungleich schlanker als beim modernen Flügel – ohne dröhnende Bässe, mit Tönen, die in vergleichsweise kurzer Zeit verstummen. Der Diskant klingt wunderbar zart. Allerdings haben es Melodien in hoher Lage nicht eben leicht, sich gegen eine bewegte Begleitfigur in der Mittellage durchzusetzen. Da muss man manchmal eben ein wenig hinhören.

An einem Erard-Flügel von 1880 stellte Zitterbart anschließend eine Auswahl von Klavierstücken Liszts vor mit Schwerpunkt auf den skizzenhaften, harmonisch ausgesprochen kühnen Spätwerken („Nuages gris“, „Unstern“). Hier konnte sich die kultivierte Klanggewalt der tiefen Lagen des Erard-Flügels prächtig entfalten – eine ganz andere Tonwelt als die der Beethoven-Sonate.

Schuberts späte B-Dur-Sonate aus dem Jahr 1828 bildete das Finale, nun wieder am Hammerflügel von 1820. Dieses Instrument verfügt über besonders differenzierte Möglichkeiten der Tondämpfung. Damit demonstrierte Zitterbart beispielsweise im Kopfsatz die charakteristische Bass-Trillerfigur, für die Schubert ein am modernen Instrument kaum mögliches Pianissimo vorschreibt, sehr eindrucksvoll: ein ganz fernes Grollen, geheimnisvoll, bedrohlich. Perfekt. Begeisterter Beifall.

Von Michael Schäfer

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