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Zu Gast bei Annemarie Prell in Göttingen

„Künstler und ihre Ateliers“ Zu Gast bei Annemarie Prell in Göttingen

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Annemarie Prell.

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Ort für kleinere Arbeiten: Annemarie Prell an ihrem Maltisch.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Ordentlich ist das Atelier im Hagenweg und klar strukturiert. Ein Regal dient als Raumteiler. In einer Ecke sind Utensilien in einem Karton verstaut. Bilder stehen gruppiert auf dem Boden und auf einem Tisch. Für kleinere Arbeiten setzt sich Annemarie Prell hier an ihren Arbeitstisch, sonst arbeitet sie stehend an der Staffelei.

Auf der Staffelei steht eine Collage mit Fotos vom S-Bahnhof Ostkreuz in Berlin. Gleise, ein Bahnsteig ist zu sehen. Eine Umbruchphase mit Bauzäunen und Absperrgittern, die Prell, die gut 20 Jahre in Berlin lebte, neu in Szene gesetzt hat. Lineares im Kontrast zu dem Chaos fasziniere sie, sagt die Künstlerin. An einer Wand des Ateliers hängt eine weitere Acrylmalerei und Fotocollage, eine Winterlandschaft in der Fotos eine künstliche Horizontlinie setzen. Für Prell ist klar: „Landschaft braucht Konturen und ein Gegengewicht.“

In Bösinghausen aufgewachsen hat Prell schon als Kind viel gezeichnet und Aquarelle gemalt. In den 80er-Jahren studierte sie zunächst Kunstpädagogik an der HBK Braunschweig, bricht dann aber ab und geht nach Berlin, wo sie Germanistik und Romanistik an der FU studiert. Nach einem Referendariat startet sie ihre Tätigkeit als Lehrerin. Weil ihr „die Kunst aber doch wieder gefehlt“ hat, absolviert sie schließlich neben dem Schuldienst ein Studium an der Hochschule der Künste in Berlin. 2006 folgt der Umzug nach Göttingen. Seither unterrichtet die Studienrätin Kunst, Deutsch und Französisch am Max-Planck-Gymnasium.

„Mir ist wichtig, dass ich künstlerisch prozesshaft arbeiten kann“, erläutert die 54-Jährige, die 2012/13 ein Sabbatjahr einlegte, um sich verstärkt der Kunst zu widmen. „Früher habe ich viel Landschaftsmalerei gemacht und Stadtlandschaften gemalt, und natürlich bin ich auch an der Realität interessiert. Aber beim Malen bin ich dann ganz spontan und lasse mich von dem Prozess steuern. Meistens bin ich überrascht, was dabei herauskommt.“
Über die Malerei sei sie auch an das Collagearbeiten gekommen, erklärt die Künstlerin, die sich sehr für Raum und Architektur interessiert. Weil sie gerne in der Landschaft male, habe sie auch Stadtlandschaften gefertigt. Als es ihr dann im Stadtgetümmel aber zu unruhig war, fing sie an, Fotos aufzunehmen als Vorlage für die Malerei. Bei dem Einfügen von Fotografien in die Malerei habe sie festgestellt, dass dies „zu etwas Neuem wird“, mitunter auch eine „Irritation“ erzeugt.

Darüber hinaus macht Prell auch Landart, das heißt Installationen mit Naturmaterialien, bei denen vergängliche Kunst im Naturraum geschaffen wird. Über das Regionale Umweltbildungszentrum (Ruz) bietet die Kunstpädagogin sporadisch Kurse an.

„Zum einen interessiert mich Perspektive und der Effekt des Trompe l‘oeil, der eine Räumlichkeit suggeriert, wo eigentlich gar keine ist“, sagt Prell. Zum anderen fasziniere sie der Kontrast zwischen geometrischen und Naturformen sowie zwischen Kunst-, Natur- und technischen Formen. Im September 2016 wird Prell wieder ihre Arbeiten bei den „Offenen Ateliers im Göttinger Land“ präsentieren.

Von Karola Hoffmann

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