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Zu Gast bei Renate Bethmann in Göttingen

„Künstler und ihre Ateliers“ Zu Gast bei Renate Bethmann in Göttingen

Zahlreiche ambitionierte Künstler haben sich in Südniedersachsen angesiedelt. Wir besuchen sie in ihren Ateliers und stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Renate Bethmann.

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Renate Bethmann

Quelle: Heller

Göttingen. Ein Raum in Weiß, Grau, Schwarz. Von der Decke hängt eine Schaukel. Das langgestreckte Atelier im Hagenweg ist klar, unaufdringlich und es macht neugierig, es zu erkunden. In einem Regal stehen Farben, auf dem Boden Papierfragmente, Rollwagen mit Malutensilien. Zeichnungen sind an Holzplatten angebracht. Auf drei hochformatigen Gemälden sind unbekleidete alte Menschen zu sehen. Zwei Stelen hängen an Fäden, darauf Plastiken mit greisen Männerfiguren. Große Collagen zeigen menschliche Gestalten aus zerrissenem und in Schichten neu zusammengesetztem Papier. Dem Besucher präsentieren sich Ausschnitte aus Serien der Künstlerin Renate Bethmann.

1964 geboren, in Dransfeld und Göttingen aufgewachsen, hat Bethmann an der HBK Kassel Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation und Kunstpädagogik mit Schwerpunkt Zeichnung und Fotografie studiert. Während des Studiums kam sie in Verbindung mit Acrylfarbe schließlich zu plastischen Collagen. „Ich komme von den Formen und von den Linien im Raum“, erzählt Bethmann. „In meinem tiefsten Inneren bin ich eine Zeichnerin, die ins Dreidimensionale muss.“

„Mein Thema ist der Mensch. Wie Menschen sich wahrnehmen, wie Kommunikation funktioniert oder auch nicht, wie sich Menschen verorten“, erklärt die 51-Jährige, die 2006 den Kulturpreis des Landkreises Göttingen erhielt. Viel habe sie mit Tänzern gearbeitet, sie gezeichnet. „Letztlich geht es um Ausdruck und Kommunikation.“ In ihren Arbeiten bleibe aber auch immer etwas offen. „Es schwingt immer ein Davor und Danach mit, das man nur aus vielen Bildern zusammensetzen und nie ganz fassen kann.“

Vor etwa zehn Jahren sei ihr das Thema Demenz „in die Familie geschneit“. In einem Heim für Demenzkranke hat sie damals wochenlang beobachtet und gezeichnet. Dann suchte die Künstlerin nach Arbeitswegen. Zeichnungen, Installationen, Plastiken und Collagen entstanden. Eine Vielfalt, die das Orientierungslose und den Zwiespalt zwischen Angst und  Neugier aufgreift, der sich im Haltungs- und Bewegungsrepertoire dementer Menschen ausdrückt.
Und was treibt sie an? „Mir ist wichtig, gut und neugierig zu beobachten und für das, was ich wahrnehme und empfinde, Visualisierungen zu schaffen. Ich versuche, Sichtbares, Gefühle und Assoziationen in Prozessen zu verdichten.“ Und: „Was mich künstlerisch interessiert, ist die Materialsprache, die Herausforderung von Kontrasten, Materialien und Kompositionen.“

Aktuell arbeitet Bethmann, die ihr Wissen auch in Atelierkursen und auf Studienreisen vermittelt, an Porträts, bewegten Akten und kleinen Illustrationen. Und wo soll es hin gehen? „Ich werde subtiler und härter im Umgang mit den Materialien und Techniken und größer in den Dimensionen. Mir macht es Spaß, die Konfrontation auf die Spitze zu treiben.“

Von Karola Hoffmann

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