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„Zum Anbeißen“: Comedy-Magie im Göttinger Apex

Martin Sierp „Zum Anbeißen“: Comedy-Magie im Göttinger Apex

Echolotortung, Gedankenlesen, Geldscheine, die verschwinden und wieder auftauchen. Eine zauberhafte Mischung hat Comedy-Magier Martin Sierp am Freitag im Göttinger Apex präsentiert.

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"Der König von Göttingen": Martin Sierp.

Quelle: Heller

Göttingen. „Willkommen zur Show von mein' Papa, dem größten Entertainer von der ganzen Welt.“ Mit der Ansage seines vierjährigen Sohnes aus dem Off hat Sierp die Lacher schon mal auf seiner Seite, um auch gleich die Fronten zu klären. Sein Programm „Zum Anbeißen“ habe „keinerlei Anspruch“. Wie auch immer, auf der Bühne herrscht ein munteres Kommen und Gehen an Assistenten aus dem Publikum.

 

Lothar und Karsten aus Geismar sollen Sierp bei einer Entfesselungsnummer beistehen. Aber ehe sie es sich versehen, finden sie sich zur allgemeinen Erheiterung mitten in der Reling-Sequenz aus „Titanic“ („Ich bin der König von Göttingen“) wieder und werden Zeugen eines Kampfes mit einem Puppentheater-Krokodil. Sierp hat einiges an Überraschungen eingebaut und zielt damit unverhohlen auf das Zwerchfell der Zuschauer.

 

In der Figur des „König Karl“ imitiert er gelungen Karl Lagerfeld und leiht sich ein Jackett aus, um diesem mit einer glühenden Zigarette ein neues Design zu verpassen. Fast verzweifelt ruft eine Zuschauerin „Nein, nein“. Aber alles nur Spaß. Der „Smoking“ geht natürlich ohne Brandloch an seinen Besitzer zurück.

 

Als Klischee-Homosexueller „Pascal-Hermann“ bringt der Comedian Jürgen aus Ulm zum Schwitzen. Nun denn, die Engtanznummer mit dem Kriminalbeamten muss man nicht mögen. Aber die Nummer mit dem markierten Geldschein, der erst verbrennt und dann in einer frisch aufgeschnittenen Zitrone heil wieder auftaucht, ist wirklich verblüffend.

 

Schließlich ist der Berliner noch in der Figur des „Fürst der Finsternis“ als der freundlich-piepsende Vampir von nebenan unterwegs, der mit Methode so gut wie keinen uralten, und zumeist schlechten Witz auslässt. „Ich habe heute Morgen einen Clown gefrühstückt“. Wer will es einem Vampir verdenken, der „nicht im Spiegel zu sehen ist“ und dabei das Nachrichtenmagazin hochhält.

 

Sierps Performance mit all ihren Albereien hat zwar streckenweise etwas von Kindergeburtstag. Aber seine Fertigkeiten als Magier und Mentalist, die er sich unter anderem mehr als zehn Jahre lang in der Formation „Die Zauderer“ mit Timothy Trust und Puppenspiel-Comedian-Senkrechtstarter Sascha Grammel erarbeitet hat, überraschen doch sehr. Ob das Wort „Treppenhaus“ oder die Haarsprayflasche in der Hand, Sierp errät treffsicher die Gedanken von Assistentin Sabine.

 

Die Bandbreite des unterhaltsamen Abends ist groß. Im Comedy-Part mit Figuren-Repertoire mitunter ziemlich albern, aber als eloquenter Magier mit viel Geschick und Improvisationstalent im Umgang mit den Zuschauern und Bühnen-Assistenten ist Sierp sehr überzeugend. Die Frage des Abends lautete jedenfalls mehr als ein Mal: Wie geht das?

 

Von Karola Hoffmann

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