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„Zurückgelassenes“ von Sabine Harton

Ausstellung im Künstlerhaus Göttingen „Zurückgelassenes“ von Sabine Harton

In der ganz besonderen Atmosphäre des Gewölbekellers des Künstlerhauses hängen Kokon-artige Gebilde von der Decke, Objekte aus Papier, Wolle und Schnur. „Zurückgelassenes“ heißt die Ausstellung der Künstlerin Sabine Harton, die sich dem Kokon in Form von Objekten und Malereien widmet.

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„Zurückgelassenes“von Künstlerin Sabine Harton.

Quelle: Heller

Göttingen. Die Werke Sabine Hartons bedienen sich dem Motiv Kokon, sei es als plastisches Gebilde oder auf einer Leinwand dargestellt. Papier, Wolle, Klebeband, Schnur und Acryl ergeben haptische Skulpturen, die eine Art Randerscheinung des Lebens darstellen: die Reste einer Häutung, entseelte Körper, Kokons. Die Künstlerin visualisiert den Prozess dieser Häutung auf Leinwänden, die teilweise als Serien angelegt sind. So zeigt die Reihe „Häutungen X. – XV.“ auf fünf kleinen Leinwänden eine gesichts- und identitätslose Person, die sich einer Häutung widmet.

"Aufwühlend in ihrer Schönheit“

Bei seiner Ansprache zur Vernissage am Sonntag definiert Mischa Drüner den Begriff „Umkehren“, der sowohl auf einen geistigen Diskurs, als auch auf einen Körper oder eine Bewegung angewendet werden kann. Umkehren, umdenken, seine Weltsicht ändern – der Begriff kann sowohl negativ als auch positiv besetzt sein. „Menschen kommen an Punkte, wo sie nichts mehr daran hindert, das Innere nach außen zu wenden“, sagt Drüner. Die Werke Hartons, die er als „aufwühlend in ihrer Schönheit“ bezeichnet, zeigen Abgeschiedenheit, Körper, die man sehe, aber eigentlich auch nicht sehe.

Häutung von Tieren

Harton, die 1969 in Marbach am Neckar geboren wurde, widmet sich dem Begriff der Häutung in jeglicher Form. Als notwendiger, lebenswichtiger Prozess bei Häutungstieren bildet der Kokon beispielsweise bei Raupen einen Schutz- und Wachstumsraum, einen „Raum des Werdens“, wie Drüner sagt, bevor die Verwandlung zum Schmetterling vollzogen wird. Die eher abstoßende, aber auf eine andere Art notwendige Weise der Häutung von Tieren, die geschlachtet werden, visualisiert Harton mit drei Objekten und einer roten Decke, die an ausblutende Tierkörper erinnern. Und auch der Mensch versteckt sich ab und an in seinem Kokon, rollt sich ein und hält sich fern von der Außenwelt.

Das Künstlerhaus zeigt eine Ausstellung, die teils erst auf den zweiten Blick in ihrer Besonderheit wahrzunehmen ist. Dazu zählt auch der Ausstellungsort, der Gewölbekeller, den die Künstlerin selbst gewählt hat. Zu sehen ist „Zurückgelassenes“ noch bis Sonntag, 22. Mai, dienstags bis freitags von 16 Uhr bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1.

von Tomke Aljets

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